True Crime

  • Der Goldene Handschuh (D/F 2019)

    Das Milieu ist schäbig. Es findet sich im Hamburg der 1970er, irgendwo zwischen Kiez-Kaschemme und Standard-Wohnblock. Hier ist Fritz Honka (Jonas Dassler, „Werk ohne Autor“), genannt Fiete, zu Hause, ein entstellter Mann mittleren Alters. Seine Stammkneipe, „Zum Goldenen Handschuh“, ist zugleich sein Jagdrevier. Hier verkehren viele, die durchs soziale Raster gefallen sind. Abgewrackte Prostituierte, kauzige…

  • Hanau (D 2022)

    Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Bezogen auf Uwe Bolls „Hanau“ muss angefügt werden: wieder einmal. Neben miserablen Verfilmungen populärer Videospiele hat sich der bisweilen als schlechtester Regisseur aller Zeiten verunglimpfte Filmemacher mit Kleinproduktionen einen Namen gemacht, die auf realen Gräueln fußen. Bei „Siegburg“ und „Darfur“ (beide 2009) offenbarte er Qualitäten als Chronist des…

  • Hörspiel-Review: Arzu (2020, Wolfy-Office)

    Ehrenmord. Ein Wort, dessen Klang in die Irre führt. Denn Mord hat nichts Ehrenhaftes an sich. Doch der Begriff verweist auf die Motivlage hinter dem Verbrechen, die Illusion, durch die Tötung eines Menschen erlittene Schande aufwiegen zu können. Die Opfer sind mehrheitlich weiblich, ihre „Vergehen“ aus Perspektive einer modernen, einer offenen Gesellschaft kaum mehr als…

  • Des (Mini-Serie) (GB 2020)

    „We have to remain objective in all of this.“ – Dennis Nilsen Es klingt nach polizeilicher Routine. Doch die Überprüfung eines verdächtigen Funds im verstopften Abwasserrohr eines Londoner Mietshauses fördert Grausiges zutage: menschliche Überreste. Die führen zu Dennis ‚Des‘ Nilsen, einem Schotten Ende dreißig, der die Ermittler wie selbstverständlich zu drei zerstückelten Leichen in seiner…

  • A Confession (Mini-Serie) (GB 2019)

    Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit. Die eigene Auslegung von Gesetzen und damit verbunden die Beantwortung der Schuldfrage ist oft nicht mit der gebotenen Sachlichkeit der Justiz überein zu bringen. Ein Fall, der diese Diskrepanz geradewegs schmerzhaft vor Augen führt, ist die Ermordung der 22-jährigen Britin Sian O’Callaghan im Frühjahr 2011. Unmittelbar mit dem Fall verknüpft…

  • Boston (USA 2016)

    „We gotta get out there and we gotta find these motherfuckers before they do this to somebody else.“ – Tommy Saunders Wenn Kino den Anspruch erhebt, die Rekonstruktion realer Ereignisse mit größtmöglicher Authentizität vornehmen zu wollen, ist Skepsis angebracht. Denn das Medium Film dient in erster Linie der Unterhaltung und bleibt somit spezifischen Regeln unterworfen,…

  • The Frozen Ground (USA 2013)

    Die in hiesigen Kinos ausgewerteten Filme mit der Beteiligung von Nicolas Cage werden rarer. Einst galt der für „Leaving Las Vegas“ Oscar-prämierte Mime als Hollywood-Schwergewicht. Mittelmäßiges Genrekino und der Hang zum Overacting machten ihn über die Jahre aber eher zum Vorboten des (Edel-)Trash (siehe „Ghost Rider 2“). Ebenfalls nur noch selten auf großer Leinwand zu…

  • 3096 Tage (D 2013)

    Es sind Fälle, die fassungslos stimmen. Menschen werden misshandelt, eingesperrt, missbraucht. Über Jahre. Doch geschieht all das nicht am anderen Ende der Welt, in Kulturkreisen, denen man überheblich moralische Unterentwicklung attestieren möchte, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft. Es sind Reihenhäuser mit gepflegten Vorgärten und Menschen, über die Anwohner nach Offenlegung ihrer bestürzenden Taten sagen, dass sie…

  • The Untold Story (HK 1993)

    Wo gibt es die besten Fleischbällchen? In Macau natürlich. Wong Chi Hang (drehte mit Regisseur Herman Yau auch „Ebola Syndrome“: Anthony Wong) hat das beste Rezept für die leckere Delikatesse entdeckt. Anstatt ein Pfund Gemischtes einfach Menschenfleisch verwenden! Die Polizei, die anscheinend nur aus grenzdebilen und juvenil gebliebenen Spacken besteht, realisiert mit mehr Glück als…

  • The Hillside Strangler (USA 2004)

    Dokumentarisch angehauchte Filme über Serienmörder erfreuen sich in den USA einiger Beliebtheit. Den Reiz schafft der Blick in die Abgründe degenerierter Seelen, deren triebhafte Lust zu töten zugleich erschreckt und fasziniert. Erklären jedoch wollen die meist für Fernsehen oder Videomarkt produzierten Thriller Ursachen und Motive nicht. Ihre Kraft schöpfen sie aus der Nüchternheit, der wert-…

  • Rohtenburg (USA/D 2006)

    Als die künstlerische Freiheit über das Persönlichkeitsrecht siegte: Fast drei Jahre wurde „Rohtenburg“ unter Verschluss gehalten. 2006 hatte Armin Meiwes, der zu lebenslanger Haft verurteilte „Kannibale von Rotenburg“, gegen die Veröffentlichung des Spielfilmes geklagt. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab ihm Recht, schließlich nehme das Werk trotz veränderter Namensgebung offenkundig auf ihn Bezug. Im Mai 2009 hob…

  • Zodiac (USA 2007)

    Ein Vielfilmer ist David Fincher zwar nicht, seine berufliche Weste allerdings ist noch unbefleckt. Kein Wunder, nach Meisterwerken wie „Sieben“ oder „Fight Club“ hat der Mann quasi einen Freifahrtschein. Basierend auf mehreren realen Morden, die nie aufgeklärt wurden, erzählt Fincher in seinem neuesten Werk von der jahrelangen Besessenheit, die eigenen Dämonen zu besiegen. Ein Thriller…

  • Alpha Dog – Tödliche Freundschaften (USA/D 2006)

    Basierend auf einem realen Mordfall, hatte es „Alpha Dog“ von Drehbuchautor und Regisseur Nick Cassavetes nicht leicht. Denn als der Film in die Kinos kommen sollte, war der Prozess um den Auftraggeber des Mordes – Jesse James Hollywood (im Film Johnny Truelove) – noch gar nicht abgeschlossen. Erst verspätet kam das Werk in die Kinos,…

  • Hollywoodland – Die Hollywood-Verschwörung (USA 2006)

    Der Glanz von Hollywood strahlt nur an der Oberfläche. Darunter keimen Abgründe, die der Fantasie zynischer Desillusion zuspielen. Folglich wächst der Raum der Spekulation, der die Traumfabrik als Sündenpfuhl brandmarkt. Ihm entspringt auch „Hollywoodland“, im deutschen etwas plump „Die Hollywood-Verschwörung“ betitelt. Er greift einen real fundierten, dabei aber ungelösten Todesfall auf und stellt Spekulationen an,…

  • The Riverman (USA/CDN 2004)

    „Haben sie die geringste Ahnung, wie es in der Hölle aussieht?“ – Ted Bundy Serienkiller üben gerade im Film eine morbide Faszination aus. Welches Monster lauert hinter der Fassade des Durchschnittsbürgers, was treibt ihn zu solch abscheulichen Taten? Die US-Fernsehproduktion „The Riverman“, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller, versucht diesen Fragen nachzugehen. Die wahre Geschichte des…

  • Memories of Murder (ROK 2003)

    Südkorea, Mitte der 80er Jahre. In einer abgelegenen Provinz sind bereits zwei Morde an jungen Frauen verübt worden, ein sexueller Hintergrund ist offensichtlich. Die hiesige Polizei tappt im Dunkeln, allerdings tragen die Ermittlungsmethoden des Polizisten Park (Kang-ho Song) nicht zu einer raschen Aufklärung des Falls bei. Während sein Partner eher der dumpfe Schläger im Hintergrund…