Hollywoodland – Die Hollywood-Verschwörung (USA 2006)

die-hollywood-verschwoerungDer Glanz von Hollywood strahlt nur an der Oberfläche. Darunter keimen Abgründe, die der Fantasie zynischer Desillusion zuspielen. Folglich wächst der Raum der Spekulation, der die Traumfabrik als Sündenpfuhl brandmarkt. Ihm entspringt auch „Hollywoodland“, im deutschen etwas plump „Die Hollywood-Verschwörung“ betitelt. Er greift einen real fundierten, dabei aber ungelösten Todesfall auf und stellt Spekulationen an, die in drei verschiedene Theorien münden. Daraus entstanden ist ein durchaus fesselnder Film in stimmigem Zeitkolorit der späten vierziger und fünfziger Jahre, der abseits der entschleunigten Erzählweise von TV-Regisseur Allen Coulter („Die Sopranos“) vorrangig durch die erlesene Besetzung lebt.

Am Anfang steht die erschütternde Meldung über den Tod des Schauspielers George Reeves (Ben Affleck, „Jersey Girl“). Während die Polizei vom Selbstmord eines gescheiterten Stars ausgeht, glaubt dessen Mutter an ein Mordkomplott. Das bringt den Privatschnüffler Louis Simo (Adrien Brody, „Der Pianist“) auf den Plan, der die Möglichkeit lukrativer Publicity und schnellen Geldes wittert. Er beginnt zu recherchieren und stößt bald auf Hinweise, die das Bild des Suizides zu widerlegen scheinen. War es eine Tötung im Streit, begangen von Reeves Verlobter Leonore Lemmon (Robin Tunney, „Paparazzi“)? Oder sollte tatsächlich Filmmogul Eddie Mannix (Bob Hoskins, „Felicia, mein Engel“) hinter der Tat stecken, weil er das gescheiterte Verhältnis des Schauspielers zu seiner Frau Toni (Diane Lane, „Untreu“) sühnen wollte?

Die Erzählung folgt einer klug verschachtelten Zweiteilung. Den Rahmen bildet die (fiktive) Ermittlungsarbeit Simos, der mit zunehmender Tiefe vermehrt in Bedrängnis gerät. Das Echo der Publikmachungen seiner Vermutungen sind Repressalien mächtiger Gegner, allen voran der von der Polizei gestützte Mannix. In Rückblenden wird daneben der Aufstieg Reeves vom Sonnyboy zum gefragten Star beschrieben. Die Rolle des Superman in einer erfolgreichen Fernsehserie bringt ihm zwar Ruhm, nicht aber den ersehnten Respekt als Darsteller ein. Er wird auf die Heldenfigur festgenagelt und bleibt, stets unterstützt durch die nach Liebe dürstende Toni, in der Stagnation gefangen. Als er sich hinter der Kamera versuchen will, lernt er Leonore kennen, für die er die Frau des mächtigen Produzenten fallen lässt.

Die Umstände des Ablebens bleiben ungeklärt. Entsprechend bietet Coulter verschiedene Interpretationsansätze, denen der Zuschauer nach Belieben folgen kann. Eine Lösung präsentiert das komplexe, hervorragend gespielte Thriller-Drama mit dezentem Noir-Flair nicht. Entgegen seines Rufs als Schmalspurmime glänzt allen voran Ben Affleck als gescheiterter Künstler. Gerade in den Szenen mit der nicht minder spielstarken Diane Lane zeigt der Beau selten offenbartes Feingefühl. Auch Adrian Brody knüpft an die gewohnt überzeugenden Leistungen der Vergangenheit an, wenn die familiären und beruflichen Probleme Simos auch zu breit ausgewalzt werden. Hier wäre eine Straffung angebracht gewesen, die das gemächliche Werk auch formal auf das Niveau seiner Akteure gehoben hätte.

Wertung: (7 / 10)

scroll to top