Alpha Dog – Tödliche Freundschaften (USA/D 2006)

alpha-dogBasierend auf einem realen Mordfall, hatte es „Alpha Dog“ von Drehbuchautor und Regisseur Nick Cassavetes nicht leicht. Denn als der Film in die Kinos kommen sollte, war der Prozess um den Auftraggeber des Mordes – Jesse James Hollywood (im Film Johnny Truelove) – noch gar nicht abgeschlossen. Erst verspätet kam das Werk in die Kinos, zudem durften die realen Namen nicht genannt werden. Durch die bekannten realen Hintergründe wird der Film seiner Spannung jedoch nicht beraubt, denn Cassavetes gelingt es in der Hauptsache, einen atmosphärischen wie spannenden Film zu schaffen.

In seiner Gang ist Johnny Truelove (Emile Hirsch) der Chef, derjenige, der sagt, wo es langgeht. Mit seinen aus reichen Verhältnissen stammenden Kumpels hängt er in seinem großen Haus herum, feiert Partys und konsumiert Drogen, die er auch gleichzeitig vertickt. Ein Geschäft mit dem unberechenbaren Jack Mazursky (Ben Foster) eskaliert und nur mit Mühe können die beiden Kontrahenten getrennt werden. Jack bricht im Anschluss in Johnnys Haus ein, dieser wiederum will seinen Kontrahenten endgültig ausschalten, findet ihn zu Hause jedoch nicht vor. Stattdessen entführen sie mehr durch Zufall dessen jüngeren Halbbruder Zack (Anton Yelchin). Dieser wird in die Obhut von Johnnys Freund Frankie (Justin Timberlake) gegeben, der nur ein wenig auf den Jungen aufpassen soll. Beide freunden sich ein wenig an, der Entführte hat an seinem neuen Leben sogar Spaß. Doch hinter den Kulissen eskaliert die Situation.

Nick Cassavetes („John Q.“) präsentiert seinen Film in erster Linie als Drama. Nach einer längeren Einführung der darin verwickelten Charaktere legt sein Werk im weiteren Verlauf gehörig an Spannung zu. Dies liegt vor allem daran, dass alle Beteiligten ohne größeren Schaden aus der Sache hätten herauskommen können. Immer dann, wenn man den Eindruck gewinnt, es würde nichts passieren, kommt ein dummer Zufall oder unüberlegtes Handeln dazwischen. Zwar hält Cassavetes mit der durchgehenden Nummerierung der Zeugen mit dem Ausgang nicht hinter dem Berg, doch mindert dies nicht unbedingt die Spannung. Auch auf optischer Ebene vermag der Filmemacher zu überzeugen. Seine Bilder schaffen eine kalte Atmosphäre vor dem Antlitz der Oberschicht, unterstützt durch zahlreiche Split-Screens und Farbfilter.

Von der soliden Besetzung sticht am ehesten Pop-Superstar Justin Timberlake („Edison“) hervor, der die gewissenhafteste Figur seiner Clique verkörpert. Das sich anbahnende Drama kann er dennoch nicht verhindern, auch wenn er es durchaus könnte. Der hitzige Ben Foster („The Punisher“) findet in der zweiten Hälfte leider nicht mehr statt, während Anton Yelchin („15 Minuten Ruhm“) gerade zum Schluss immer präsenter wird. Emile Hirsch („Dogtown Boys“) als obercooler Nachwuchsgangster wirkt verloren, hat im Gegensatz zu Timberlake allerdings auch weitaus weniger Spielraum, obwohl er eigentlich der Ursprung des Ganzen ist. Die mit Bruce Willis („Stirb langsam“) und Sharon Stone („Casino“) namhaft besetzten Nebendarsteller wären in dieser Form nicht notwendig gewesen, wobei es vor allem letztere in ihrem Spiel gehörig übertreibt.

Der stellenweise dokumentarische Anstrich passt jedoch nicht zum Film. Einige dargestellte Interviews, die zeitlich nach den Geschehnissen spielen sollen, wirken wie Fremdkörper inmitten des ansonsten funktionierenden Dramas. Auch die überstilisierten Nachwuchs-Gangster der High Society werden allzu sehr klischeehaft dargestellt, so dass das Drama an sich häufig in den Hintergrund gerückt wird. Die exzessiven Gelage der teilweise noch Minderjährigen hätten auch gut und gern aus einem Film von Larry Clark („Kids”) stammen können. Eine distanziertere Darstellung hätte der Glaubwürdigkeit vielleicht besser gestanden. So besteht leider schnell die Möglichkeit, dass der Plot nur auf seine Party machenden Protagonisten und deren Lebensstil reduziert wird. Hier wirkt „Alpha Dog” mitunter zu plakativ. Alle Möglichkeiten des Films wurden somit leider nicht genutzt.

Wertung: (6 / 10)

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