The Dark Knight (USA/GB 2008)

the-dark-knight„I believe whatever doesn’t kill you simply makes you… stranger.” – Joker

Ausgerechnet der Joker. Groß sind die Fußspuren, die Tim Burtons „Batman“ hinterließ. Mit einem Jack Nicholson, der den blassen Flattermann Michael Keaton im Handstreich an die Wand spielte. Das war 1989. Fast zwanzig Jahre später wagt sich Christopher Nolan an eine Neuformulierung. Dessen „Batman Begins“ brachte die Superhelden-Saga wieder auf Kurs – indem sie den Fantasy-Anteil reduzierte. Zuvor hatten Joel Schumachers bonbonbunte Action-Märchen, vorrangig der geradewegs unverschämte „Batman & Robin“, dem Stoff jegliche Kontroverse und mit ihr jede Klasse entzogen.

Doch ungeachtet des Erfolges von „Batman Begins“ und der Wertschätzung von Publikum und Kritikern blieben Zweifel. Die Schlussszene bereits brachte den Joker ins Spiel. Ob das nochmals funktioniert? Aufsehen erregte die Besetzung. Nicholson sollte von Heath Ledger beerbt werden, der Anfang 2008 an einer Überdosis Medikamente starb. Auf dem Papier ein nicht eben fairer Vergleich. Der fertige Film gibt Regisseur und Co-Autor Nolan, allen voran aber seinem diabolischen Schurken Recht. „The Dark Knight“ ist Ledgers Vermächtnis. Nicht „Brokeback Mountain“, für den er als schwuler Cowboy mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde.

Die letzte große Rolle des Australiers ist zugleich die seines Lebens. Wie entfesselt fegt er über die Leinwand und lässt Batman, zum zweiten Mal verkörpert von Christian Bale („The Prestige“), kaum Zeit zum Atemholen. Wie auch dem Zuschauer, der einfach nicht umhin kommt der Faszination des Bösen zu erliegen. Ledgers Darbietung gerät zum Triumphzug. Der makabre Humor von Burtons Vision weicht einer Misanthropie, die den schnell besten Batman-Film aller Zeiten zur desillusioniert verzerrten Wirklichkeitsreflexion macht. Die Charaktere sind plastisch, moralisch vielleicht etwas überladen, die Dramaturgie hingegen so mitreißend mit durchdacht.

Woher der soziopathische Joker kommt, der Gothams Unterwelt mit zügelloser Brutalität und chaotischer Unberechenbarkeit aus den Angeln hebt, bleibt offen. Eine Vorgeschichte bekommt nur Arthur Dent (Aaron Eckhart, „Thank You for Smoking“), der heroische Staatsanwalt. Der ist mit Bruce Waynes, respektive Batmans Liebe Rachel, am etwas undankbaren Rande des Plots gespielt von Maggie Gyllenhaal („World Trade Center“), liiert und verwandelt sich, als seine Welt in Trümmern liegt, in Two-Face. An ihm zeigt sich der Raum, den Nolan den Figuren zur Entwicklung gestattet. Bereits durch diese so kostbare Glaubhaftigkeit überragt „The Dark Knight“ typische Comic-Verfilmungen beträchtlich.

Unterstrichen wird die Ausnahmeklasse vom Look der Metropole Gotham, die als gewöhnliche dreckige Großstadt vorgeführt wird. Der Joker stürzt sie ins Chaos. Ohne Motiv. Wie die Protagonisten ist auch die Optik. Schatten auf der Seele, Dunkelheit auf der Leinwand. Das ist die Zukunft des Blockbusters. Doppelbödigkeit, nur wenig Übertreibung, selbst wenn die Action so aufwändig wie furios geriet. In zweieinhalb Stunden definiert Nolan das Popcornkino neu. Mit zerrissenen Charakteren – als Gegenpole sind wieder Michael Caine, Morgan Freeman und Gary Oldman dabei – und einer Story, die ihre überraschenden Wendungen mit beeindruckender Konsequenz durchzieht. Bis zum düsteren Finale, das dem schwarzen Ritter eine nicht eben rosige Zukunft prognostiziert.

Wertung: (9 / 10)

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