Batman Begins (USA 2005)

batman-beginsDas hat gedauert – gottseidank. Seit 1997 Joel Schumacher seine letzte Schreckensvision eines Batmans ohne Eigenschaften, dafür mit nicht mal im Vorgänger erreichtem Nervpotential, auf die Leinwände dieser Welt projizierte, war klar, dass es mit dem Rächer in schwarz so nicht weiter gehen konnte. Jetzt kommt ein Prequel zu den ursprünglichen Filmen von Tim Burton in die Kinos.

Als Kind muss Milliardärssohn Bruce Wayne mit ansehen, wie seine Eltern auf dem Hinterhof einer Oper erschossen werden. Dieses Erlebnis traumatisiert den Jungen – mit ihm wachsen die Rachewünsche gegen den Mörder seines Vaters und seiner Mutter. Als Bruce (Christian Bale, „Die Herrschaft des Feuers“) seine Gelüste nicht erfüllen kann, taucht er unter. Er reist um die Welt, lässt sich zum Ninja ausbilden. Als er in seine Heimat Gotham City zurückkehrt, hat sich dort ein Teppich aus Verbrechen über die Stadt gelegt. Die Korruption reicht bis in die höchsten Positionen von Macht, Polizei und Justiz. Bruce Wayne beschließt, sich dem Verbrechen entgegenzustellen. Unterstützt von seinem Diener Alfred (Michael Caine, „Hannah und ihre Schwestern“) schafft er sich die Identität des Rächers Batman, der von nun an für Ordnung in den Straßen Gothams sorgen will.

Einiges hat sich verändert seit den letzten Ausflügen in das Reich des Fledermausmanns. In Anbetracht der letzten Teile kann man das nur gutheißen. Gotham City ist nicht mehr die Metropole mit 30er-Einschlag, die sie seit „Batman“ von Tim Burton war. Die Stadt gleicht einer beliebigen Metropole der Gegenwart – inklusive dreckigem öffentlichen Verkehrssystem und verkommenen Slums. Der Gegenspieler des Superhelden ist erstmals kein auf welche Weise auch immer deformierter dem Comic entsprungener Charakter, sondern ein Mensch, der erst einmal nichts von den Klassikern wie dem Joker oder dem Pinguin an sich hat – der Film ist erwachsener als alle seine Vorgänger. Regisseur Christopher Nolan („Memento“) hat streng genommen keine Comicverfilmung, sondern einen Actionfilm basierend auf einem Comic gedreht. Das Konzept geht auf. Zwar fehlt dem Liebhaber die verschrobene Eigenwilligkeit der Burton-Batmans, doch als eigenständiges Werk betrachtet ist ein durchaus ernsthafter Film gelungen.

Dieser Eindruck wird von einem weiten Teil des angetretenen Ensembles unterstützt. Christian Bale gibt den wohl besten Batman seit Michael Keaton. Wie dem großen Vorgänger gelingt es dem Waliser die Dualität des Charakters darzustellen. Der Fokus hat sich jedoch verschoben. War Keaton ein nachdenklicher, trauriger Superheld, so ist Bale vor allem eins: wütend. Diese recht harte Charakterzeichnung wird durch einen fantastischen Michael Caine wieder etwas entspannt. In keinem Vorgängerteil hatte die Rolle des Alfred so einen großen Anteil am Geschehen – und nie zuvor hätte die Rolle es auch so verdient. Caine zeigt ein beeindruckendes Repertoire an Emotionen, das selten ist für eine Nebenrolle. Auch Morgan Freemann als Lucius Fox, sozusagen der Q Batmans, macht seine Rolle offensichtlich Spaß. Liebhaber könnten sich noch über eine recht kleine Rolle von Schauspielerlegende Rutger Hauer freuen oder überrascht feststellen, dass Gary Oldman mal nicht den Bösen spielt.

Natürlich darf auch in diesem Teil nicht die Frau an Batmans Seite fehlen, diesmal verkörpert von Katie Holmes („Tötet Mrs. Tingle“). Sie ist ja ganz süß, guckt Batman aber genau so an, wie früher James van der Beek in der Jugendoperette für leicht depressiv angehauchte Wohlstandskinder „Dawson’s Creek“. Das wirkt insgesamt etwas unpassend – ist aber zu verschmerzen. Insofern ist Christopher Nolan ein sehr guter Film gelungen. Die Musik legt sich zwar manchmal nicht ganz so wie es sollte unter die Bilder und eine kleine Zahl von Handlungsfehlern im Zusammenhang mit den anderen Filmen der Reihe trüben das Vergnügen für den Fan ein kleines bisschen, doch das tut dem durchweg positiven und unterhaltsamen Gesamteindruck des Films keinen Abbruch. Für Fans der Fledermaus ein muss, für alle anderen immerhin ein sehr guter Actionfilm.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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