The Prestige – Die Meister der Magie (USA/GB 2006)

the-prestigeKino ist Illusion. Manche Regisseure verstehen sich perfekt darauf. Christopher Nolan („Memento“) bewährte sich wiederholt als trickreicher Geschichtenerzähler. Die verschachtelte Narration, der Perspektivenwechsel und sein Gespür für verblüffende Auflösungen machen ihn zu einem virtuosen Hollywood-Illusionisten. Was also läge näher als einen Film über das zaubernde Metier zu fabrizieren? Das elegante an diesem Werk ist der einvernehmliche Ablauf von Handlung und Inszenierung. In der Einführung wird auf den dreiaktigen Ablauf einer jeden Magiedarbietung verwiesen: Die Präsentation des Gewöhnlichen, die Ausführung des Tricks und das Prestigio, der unerwartete Höhepunkt.

Diesem Schlussakt verdankt das Opus seinen Titel – „The Prestige“. Und wie den Aufbau der Illusion zieht Nolan auch seine Geschichte auf. Die Präsentation des Gewöhnlichen beschäftigt sich mit den konkurrierenden Magiern Robert Angier (Hugh Jackman, „Scoop“) und Alfred Borden (Christian Bale, „Batman Begins“). Im viktorianischen England werden die beiden als Bühnengehilfen zu Freunden – und nach dem tragischen Tod von Angiers Frau zu erbitterten Feinden. Umso mehr, als beide selbst den Weg des Illusionisten beschreiten. Hier setzt die Ausführung des Tricks an. Denn bereits im Prolog erfährt der Zuschauer vom Tode Angiers. Als Schuldiger wird Borden verhaftet. Diesem Rahmen folgen Rückblicke, die aus verschiedenem Blickwinkel um die Kontrahenten kreisen. Erst ganz allmählich bringen sie Licht ins Dunkel des mysteriösen Mordfalls.

Keine Illusion ohne überzeugende Vorstellung: Die Hauptrollen sind mit Jackman und Bale glänzend besetzt. Der destruktive Ehrgeiz der Männer, die sich in immer spektakuläreren Vorstellungen überbieten müssen, mündet in eine Fehde, die auch vor Demütigung und Gewaltanwendung keinen Halt macht. Persönliche Belange geraten ins Hintertreffen, es regiert das Streben nach Erfolg und dem Triumph über den Gegner. Die Charaktere sind exzellent herausgearbeitet. Bis in die Nebenrollen, wo Michael Caine („Gottes Werk und Teufels Beitrag“), Scarlett Johansson („Match Point“), Piper Perabo („Edison”), Andy Serkis („King Kong”) oder David Bowie („Basquiat“) – als exzentrischer Erfinder Tesla – brillieren.

Um die Eskalation der Rivalität auf die Spitze zu treiben, bedient sich Nolan des Irrealismus. Ab einem bestimmten Punkt setzt die Logik aus und überlässt dem Fantastischen das Feld. Dieser Bruch macht es dem Zuschauer nicht eben leicht, wenn der Plot auch abseits bloßer Vernunft zu einem dramaturgisch verblüffenden Finale, dem Prestigio, geführt wird. Hier liegt die Magie von „The Prestige“, der die Vorbereitung des schlussendlichen Kniffs lange in überschaubaren Bahnen hält, ehe sich die genaue Beobachtung in tragischem Trommelwirbel entlädt. Ein Meisterwerk ist damit nicht geschaffen. Jedoch ein Film, der auch bei wiederholtem Ansehen nicht seine Faszination und Wirkung verfehlt.

Wertung: (8 / 10)

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