Der letzte Exorzismus (USA 2010)

der-letzte-exorzismusDokumentarische Horrorfilme haben Konjunktur. Der ungeahnte Erfolg des modernen Klassikers „Blair Witch Project“ (1999) begründete eine Welle von Genrewerken, die sich der Illusion des Authentischen verschrieben haben. Die Selbstbeschränkung der formalen Möglichkeiten durch den Einsatz der Handkamera bedeutet den Gewinn einer kreativen Freiheit, die Stereotypen erfolgreich überwindet. Der Schrecken wird vom Ballast der Vorhersehbarkeit befreit und entfaltet seine Wirkung ohne stumpfe Gewaltorgien allein durch die Unmittelbarkeit der Bilder.

Der Erfolgsformel solch unterschiedlicher Filme wie „Paranormal Activity“, „[•Rec]“ oder „Cloverfield“ bedient sich auch „Der letzte Exorzismus“. Produziert von „Hostel“-Regisseur Eli Roth greift der deutsche Filmemacher Daniel Stamm das klassische Motiv der Teufelsaustreibung auf und führt einen zweifelnden Priester mit bösem Witz zu seinem Glauben zurück. In der Abgeschiedenheit von Louisiana will jener Reverend Cotton Marcus (Patrick Fabian) gängige Praktiken des Exorzismus als Lüge enttarnen. So wie gedacht verläuft die fingierte religiöse Wunderheilung allerdings nicht.

Marcus ist mehr charismatischer Showmaster denn klassischer Prediger. Das Rüstzeug erhielt er vom Vater, der nach eigenen Bekundungen 150 erfolgreiche Teufelsaustreibungen vorgenommen hat. Auch Marcus, der mit der Geburt seines Sohnes den Glauben verlor, verschafft den Besessenen Linderung. Wenn auch mit faulem Zauber und Showeffekten. Als er von einem missglückten Eingriff des Vatikans liest, bei dem ein Kind ums Leben kam, beschließt er die Schwindel mit einem letzten, von einem Kamerateam begleiteten Exorzismus hinter sich zu lassen.

Zunächst scheint auch der Fall der jungen Nell (Ashley Bell) nur routinierte Einbildung zu sein. Marcus, der den Dämon für die auf das Kind projizierte Trauer des verwitweten Vaters (Louis Herthum) hält, führt die illusorische Austreibung durch und verlässt die von neuer Zuversicht erfüllte Familie. Doch dann findet er die apathisch wirkende Nell in der folgenden Nacht in seinem Motelzimmer. Er vermutet ein psychisches Problem, vielleicht gar den Missbrauch durch den Vater. Während sich unheimliche Begebenheiten häufen, versucht der Priester der Situation Herr zu werden.

Anfangs trotzt Stamm gekonnt der Erwartungshaltung und keilt mit bissigen Seitenhieben gegen religiösen Fanatismus. Vor allem die charismatische Darstellung Patrick Fabians verleiht dem Film eine ironische Distanz zum zitierten Klassiker „Der Exorzist“. Nach der inszenierten Austreibung bedienen die Macher über den zunehmend düsteren Grundton bewährte Schockformeln, erhalten den Reiz über die Undurchschaubarkeit der Hintergründe aber konstant aufrecht. Zumindest bis zum übertriebenen Finaltwist, der sämtliche zuvor erfolgreich ausgeklammerten Klischees mit einem Rundumschlag bedient. Einer nachhaltigen Wirkung beraubt sich der sonst sehenswerte Thriller damit viel zu leichtfertig.

Wertung: (6 / 10)

 

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