Broken Flowers (USA/F 2005)

broken-flowersMit weitgehend minimalem Aufwand hat der leidenschaftliche Filmemacher Jim Jarmusch das Independent-Kino erobert. Abseits kommerzieller Zwänge und Gepflogenheiten erzählt er seit jeher ruhige, nachdenkliche wie auch witzige Geschichten rund um das Leben. Ob nun in Form des in schwarz/weiß gedrehten Dramas „Dead Man“ mit Johnny Depp oder „Ghost Dog“ mit Forest Whitaker als nachdenklichem Großstadt-Samurai. In seinem letzten Film vereint sich die Filmkunst des Jim Jarmusch mit dem unvergleichlichen Charme des Bill Murray, was sicherlich zu einem der interessantesten Filme des letzten Jahres führte.

Don Johnston (Bill Murray) – mit „t“ – hat in der IT-Branche das große Geld gemacht und führt nun ein relativ unspektakuläres Leben inmitten seines großen sterilen Hauses. Mit der Kinderreichen afrikanischen Familie seines Freundes und Nachbarn Winston (Jeffrey Wright) pflegt Don täglichen Kontakt. Seine um einige Jahre jüngere Freundin Sherry (Julie Delpy) packt an jenem Morgen ihre Koffer und verlässt Don, der sich in seiner Lethargie nicht für oder gegen eine engere Bindung entscheiden kann.

Inmitten der Trennungsdiskussion fällt der Blick auf einen rosa Umschlag, der aus der gewöhnlichen Hauspost allein wegen seiner Farbe hervorsticht. Doch es vergeht noch ein wenig Zeit, bis Don diesen öffnen wird. Darin schreibt eine von Dons zahlreichen Verflossenen, dass sie vor gut 20 Jahren von ihm geschwängert wurde und sein Sprössling auf der Suche nach seinem Vater sei. Don nimmt die Nachricht relativ gelassen auf, doch Winston ermutigt ihn, sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben, um herauszufinden, wer die Mutter seines möglichen Sohnes sein könnte.

Es wäre leicht, „Broken Flowers“ von Anfang an den Ritterschlag zu verpassen, schließlich stehen die Filme von Regisseur Jim Jarmusch für Anspruch wie Unterhaltung gleichermaßen und Bill Murray kann seit einigen Jahren im Grunde spielen, was er möchte, übel nehmen kann dem Mann keiner was. Dass Jarmusch und Murray beruflich zusammenkommen, liegt letztlich nahe, denn Jarmuschs Werke bestechen vor allem durch ihren Minimalismus, während Murray – so scheint es – sich mimisch nie sonderlich anstrengen muss, um die Leinwand zu füllen.

„Broken Flowers“ ist weniger lyrisch als andere Werke von Jarmusch, wenn auch hier der engagierte Filmemacher nichts dem Zufall überlässt und den Zuschauer nur spärlich mit weiterführenden Informationen versorgt. Der Film zielt nicht auf ein Happy End ab, bei dem Vater und Sohn sich in der Schluss-Sequenz in den Armen liegen und somit auch die Mutterrolle bzw. der Absender des Briefes geklärt ist. Vielmehr muss der Zuschauer für sich die einzelnen Hinweise, die von Jarmusch bei jeder Verflossenen, die Murray besucht und die dort gestreut wurden, deuten und versuchen, mit dem Ende in Einklang zu bringen. Die Lösung erschließt sich dennoch nicht ohne weiteres.

Die Bilder sind ruhig, schweifen gern einmal vom Geschehen ab. Längere Kameraeinstellungen aus dem Rückspiegel von Murrays Auto gehören dazu, ebenso eine Szene, in der er am Flughafen neben einer Stewardess sitzt und man als Zuschauer darauf wartet, es müsse nun etwas passieren. Aber es passiert einfach nichts, gezeigt werden lediglich zwei wartende Menschen. Inmitten der Jarmusch’schen Ruhe brilliert Bill Murray als dauerhaft gelangweilt dreinschauender Sonderling. Dies konnte er bereits in seiner „Murmeltier“-Rolle, was in „Lost in Translation“ um einiges weitergeführt wurde, doch weniger gefühlsbetont als hier hat man ihn noch nicht gesehen. In weiteren Rollen sind Jessica Lange („Rob Roy“), Sharon Stone („Casino“), Tilda Swinton („Thumbsucker”) oder Chloe Sevigny („Kids“) zu sehen, wobei eine besondere Rolle Jeffrey Wright („Basquiat“) zukommt, der dem Leben Murrays eine entscheidende Richtung vorgibt.

Mit „Broken Flowers“ ist Jim Jarmusch mal wieder ein Husarenstück gelungen, ein sensibler Film über das Älterwerden, Verantwortung und Selbstfindung. Witzig, melancholisch und nachdenklich. Jarmusch und Murray Fans werden definitiv auf ihre Kosten kommen.

Wertung: (8 / 10)

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