The Darjeeling Limited (USA 2007)

the-darjeeling-limitedNeben Woody Allen und Jim Jarmusch ist Wes Anderson („Die Tiefseetaucher“) die treibende Kraft des US-Autorenkinos. Mit großen Namen und kleinen Gesten schafft er die Vermittlung von Kleinkunst an ein Massenpublikum. Die Tonart – elegisch, bedächtig und skurril – ist jedes Mal die gleiche, es verändert sich lediglich der Rahmen. Er ist es, der jedes seiner Werke zum Unikum macht. In „The Darjeeling Limited“ ist die Besonderheit der Handlungsort Indien, dessen Umschreibung nicht durch einen verklärt westlichen Blickwinkel erfolgt, sondern von einer fast zurücknehmenden Nüchternheit geprägt ist.

Weil es in seinen Filmen aber stets um Kontraste geht, bedient sich der Regisseur dem beliebten Muster des kulturellen Aufeinanderprallens. Dessen übliche Handhabung ist das Aufwiegen von Klischees. Die der Einheimischen gegen die der Auswärtigen. Aber das wäre zu flach. Vor allem für einen Film von Anderson. Also werden Land und Leute in all ihrer (oft schrulligen) Alltäglichkeit abgebildet und drei amerikanische Touristen als Gegenpol hineingepflanzt. Das oft deplatzierte Kuriosum sind sie, gerade wenn ihre Befindlichkeiten in teils ungewollter Rücksichtslosigkeit über die eines jeden anderen gestellt werden.

Die drei Urlauber sind die Brüder Whitman, Francis (Owen Wilson, „Starsky & Hutch“), Peter (Adrien Brody, „Hollywoodland“) und Jack (Co-Autor Jason Schwartzman, „I Heart Huckabees“). Seit gut einem Jahr hat keiner ein Wort mit den anderen gewechselt. Das ändert sich, als der durch einen schweren Unfall ins Grübeln geratene Francis die beiden nach Indien beordert, wo sie auf der Schiene – der Filmtitel gibt den Reisezug wider – das Land besuchen und zu sich selbst finden sollen. Ganz nebenbei, aber davon wissen Peter und Jack nichts, will er ihre geflüchtete Mutter Patricia (Anjelica Houston, „Blood Work“), eine in bescheidenen Verhältnissen lebende Ordensschwester, besuchen.

In episodischem Fluss bahnt sich die exzentrische Sinnsuche ihren Weg, unterstrichen von Situationskomik der leisen, der subtilen Art. Anderson steht für Humor, der eher schmunzeln denn lauthals lachen lässt. Die Anmut dieser fast schwerelosen Lakonie liegt im Detail. Sei es das bunte, unter den Brüdern aufgeteilte Louis Vuitton-Kofferset des verstorbenen Vaters, Francis verschiedene Schuhe oder das Intermezzo mit einer als Souvenir gedachten Giftschlange. Die Kamera nimmt an den Neurosen und Problemen der Protagonisten regen Anteil und dabei nicht selten die Perspektive eines Whitman ein.

Als stummer Charge gibt der obligatorische Bill Murray („Broken Flowers“) einen reisenden Geschäftsmann, während Natalie Portmann („Garden State“), die mit Schwartzman den unterstützenden Vorfilm „Hotel Chevalier“ gestaltet, als Jacks verflossene Liebe nur einmal kurz durchs Bild flaniert. Mit dem ungeschönten Blick für das Absurde im Beiläufigen begeistert Anderson einmal mehr. Die Darsteller tragen dies wunderbar melancholische wie gleichsam kluge Filmwerk mit geradezu traumwandlerischer Souveränität. So sind am Ende ihrer turbulenten Odyssee nicht nur die drei Brüder ein Stück weit erleuchtet.

Wertung: (8 / 10)

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