Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005)

kiss-kiss-bang-bangEs birgt fraglos Risiken, wenn man zwei Darsteller wie Robert Downey Jr. („Natural Born Killers“) und Val Kilmer („Heat“) gemeinsam für einen Film verpflichtet. Als Regisseur benötigt man Nerven wie Stahlseile, hat der eine doch eine Affinität zu erhöhtem Drogenkonsum (Downey Jr.) und der andere lässt keine Gelegenheit aus, seiner Umwelt gehörig auf den Zeiger zu gehen (Kilmer). Allerdings hat man es hier zugleich mit zwei der talentiertesten Darsteller der letzten 20 Jahre zu tun, die einfach nicht ins Schema F der Traumfabrik passen und die sich selbst an entscheidenden Punkten immer wieder zu sehr im Weg stehen. Unabhängig davon melden sich beide mit der Krimi-Groteske „Kiss Kiss Bang Bang“ eindrucksvoll zurück. Hoffentlich bleibt dies jedoch nicht nur ein kleines Strohfeuer.

Mehr durch Zufall kommt der kleine Gauner Harry (Robert Downey Jr.) nach Los Angeles. Nach einem gescheiterten Bruch in einen Spielzeugwarenladen flüchtet er vor der Polizei und findet sich ungewollt in einem Vorsprechen wieder. Seine unter die Haut gehende Performance überzeugt die Leute und Harry soll in einem Film einen Ermittler spielen. Zwecks Vorbereitung in Hollywood wird ihm der Detektiv Perry (Val Kilmer) zur Seite gestellt. Nachdem Harry seine alte Kinder- und Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) trifft, nimmt der Ärger seinen Lauf. Nicht nur, dass sie nichts von Harry will, sein neuer Partner ihn für einen Verlierer hält, es gilt auch noch diverse Frauenleichen aus dem Weg zu schaffen bzw. den mysteriösen Mord an Harmonys Schwester aufzuklären.

Experiment geglückt möchte man laut in die Welt rufen, denn mit „Kiss Kiss Bang Bang“ zeigen Downey Jr. und Kilmer noch, dass Leben in ihnen steckt. Vor allem der Erstgenannte liefert eine allzu köstliche Darstellung als sympathisch netter Verlierer ab. Seine Erzählungen aus dem Off, die Vielzahl von Missgeschicken, die ihn immer und immer wieder heimsuchen oder aber seine Mimiken, er ist der ganz große Gewinner dieses Films. Beinahe ebenbürtig ist Val Kilmer, der seit Jahren aus der ersten Reihe Hollywoods verschwunden ist und nun eher in kleineren Filmen zu sehen ist. Seine Version eines schwulen Ermittlers steht dem Witz von Downey Jr. in nichts nach, sondern spielt sich lediglich auf einer anderen Ebene ab.

Wo Downey Jr. etwas tollpatschig wirkt, da ist Kilmer eher der kühle Kopf. Eine Mischung, die in teilweise absurd komischen Dialogen endet. Als optischer Blickfang fungiert Michelle Monaghan („Mr. & Mrs. Smith“), wobei diese sich in das muntere Treiben ihrer beiden männlichen Kollegen nahtlos einreiht und nicht nur als hübsches Beiwerk herhalten darf. Dramaturgisch schlägt Regisseur Shane Black – der bislang vornehmlich als Drehbuchschreiber auffiel (u.a. „Last Boy Scout“) – im Stile des Film Noir viele Haken, ohne aber das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Bei allen Wendungen, die der Film bietet, steht das Absurde im Vordergrund. Komik an allen Ecken und Enden und auch wenn ein abgetrennter Finger nicht zum ersten Male (siehe „Bang Boom Bang“) für Heiterkeiten sorgt, so nimmt man dem Film das ein oder andere Kalkül einfach nicht übel.

„Kiss Kiss Bang Bang“ ist ein großer kleiner Film, auf ganzer Länge überzeugend und unterhaltend. Zwei grandiose Schauspieler zeigen der Welt mal kurz den Stinkefinger. Abschreiben darf man sie nach diesem Film definitiv nicht. Mehr davon, am besten in dieser Konstellation.

Wertung: (8 / 10)

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