Zulu (GB 1964)

zulucaineAus dem Off wird ein Brief verlesen. Er handelt von der vernichtenden Niederlage 1.500 britischer Soldaten am Morgen des 22. Januar 1879. Am Fuße des Berges Isandlwana in Südafrika unterlagen sie einer Übermacht von Zulu-Kriegern. Die Stimme, die das Schreiben in korrekt emotionslosem Bürokratenton verliest, – im englischen Original gehört sie Richard Burton – wird vom Geräusch sengender Flammen vertrieben. Die Kamera durchquert das Schlachtfeld. Überall Rauch, Leichen in den Uniformen der englischen Krone, brennende Planwagen. Von Links strömen die Sieger ins Bild. Zulus, halbnackte Wilde, die der technologischen Überlegenheit der Kolonialherren mit Speeren und fellverzierten Schilden zu trotzten verstanden.

Die hässliche Seite militärischer Expansion im 19. Jahrhundert – sofern man ihr überhaupt eine andere zugestehen will – forderte unzählige Todesopfer. Afrika wurde zum Spielball westlicher Mächte, die zahllose Schlachten in der Fremde ausfochten. In diesem seltenen Falle triumphierten die Eingeborenen. Einer reckt neben dem traditionellen Schild das Gewehr eines getöteten Europäers in die Höhe. Cy Endfields „Zulu“ beschreibt kein näheres Bild der stolzen Krieger. Sie bleiben ein schwarzer Strom, eine unberechenbare, Respekt einflößend disziplinierte Armee. Im Grunde also nur stolzes Beiwerk eines epochalen britischen Abenteuerfilms.

Endfield („Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade“) rekonstruiert ein verbürgtes Heldenopus. Ein visuell opulentes, ein aufwändig gestaltetes. Wenn auch nach Machart des zeitgenössischen Kinos. Mit Michael Caine („Hannah und ihre Schwestern“) und Stanley Baker („Die Kanonen von Navarone“), der auch produzierte, stehen ihm dabei spielstarke Darsteller zur Verfügung. Caines Verkörperung des arroganten, aber aufrechten Offiziers Bromhead bedeutete für ihn den Durchbruch. Er bewährt sich bei der Verteidigung des Außenpostens Rorke´s Drift, der, besetzt mit nur 300 englischen Soldaten, zum Sinnbild westlicher Überlegenheit wird. Der Mut der Verzweiflung und taktisches Geschick entscheiden die Schlacht zugunsten der britischen Soldaten. Diese historische Fußnote streicht der Film, ganz im Geiste Hollywoods, wie Balsam auf das britische Nationalbewusstsein. Das klassische Schlachtengemälde im Breitwandformat ist in Bild und Ton pathetisch aufgeheizt, verzichtet aber auf allzu aufdringliche Heldenfigurierung.

Die scheinbare Grenzenlosigkeit der Naturkulisse unterstreicht auch die zahlenmäßige Unterlegenheit der Soldaten ihrer Majestät. Der nahende Tod wird mit Fassung – und britischer Verschrobenheit – getragen. Der üppig ausgestaltete Vorlauf der Schlacht soll unterhalten, ihr letztendlicher Ablauf bei aller Dramatik durch spektakuläre Schauwerte glänzen. Das Wechselspiel aus Angriff und Verteidigung wirkt mitunter ermüdend, wenn Die Spannung durch beiderseitig strategische Manöver auch konstant aufrecht erhalten wird. Vordergründig ist „Zulu“ ein Film über auszeichnende Charaktereigenschaften, solche wie Tapferkeit, Standhaftigkeit und Aufopferungswille. Die Figuren werden meist nur Stereotypen gerecht. Gerade diese taugen zur Identifikation – und sind der Zierrat eines prachtvollen Monumentalismus, der die Ruhmlosigkeit der gefeierten Heldentat zumindest andeutet. Großes Kino, wenn auch ohne große Aussagekraft.

Wertung: (7,5 / 10)

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