Wonderland (USA/CAN 2003)

wonderlandZu Beginn der 80er Jahre befindet sich der ehemals gefeierte Pornostar John Holmes (Val Kilmer) ganz unten. Der Ruhm vergangener Tage ist längst dahin, von seiner Ehefrau Sharon (Lisa Kudrow) lebt der drogenabhängige Schmuddelprinz getrennt, richtige Freunde hat er auch nicht mehr. Einzig die junge Dawn (Kate Bosworth) hält in beinahe verehrenswerter Art und Weise zu ihm. Seine Freizeit verbringt er vornehmlich im Haus des schmuddeligen Ron Launius (Josh Lucas) in der Wonderland Avenue, der Dealer und Konsument gleichermaßen ist.

Auf Empfehlung des meist unliebsamen Holmes planen Ron und einige Mitstreiter, den Unterweltkönig Eddie Nash (Eric Bogosian) auszurauben, bei dem Holmes ein und aus geht. Der Coup gelingt und die drei erbeuten Drogen, Geld, Schmuck und Waffen im Wert von über einer Million Dollar. Die Retourkutsche kommt jedoch prompt, als ein Killerkommando in das besagte Haus in der Wonderland Avenue eindringt und alle Anwesenden brutal abschlachtet. Bis auf Susan Launius (Christina Applegate), die das Massaker schwer verletzt überlebt. Die Polizei tappt im Dunkeln, denn all diejenigen, die mit den grausamen Morden zu tun haben, erzählen jeweils andere Motive und Tathergänge und Holmes ist nicht der einzig Verdächtige.

„Wonderland” ist keine weitere Biografie eines ehemaligen Pornodarstellers wie bspw. „Boogie Nights” – auch hier stand John Holmes Pate -, sondern dessen Figur steht eher am Rande, wenn sie auch unumgänglich mit den Geschehnissen in Zusammenhang steht. Biografisches aus dem Leben des John Holmes gibt es nur beiläufig, etwa wenn Val Kilmer sich mit Lisa Kudrow über ihre gemeinsame Vergangenheit unterhält und er noch immer auf die „Kraft“ seines Genitalbereiches pocht, während dies u.a. auch die Ehe scheitern ließ. Stattdessen ist der Film vor allem Krimi, Drama und Milieustudie in einem. Dies wird von dem wenig bekannten Regisseur James Cox in ausgeklügelter Art und Weise dargestellt. Immer wenn man als Zuschauer gerade den Eindruck hat, die Hintergründe des Geschehens begriffen zu haben, beginnt er kurzerhand die Erzählung und Darstellung von einer anderen Seite. Was bleibt ist Spannung als auch offene Fragen.

Den in mehr als 2000 Pornofilmen mitwirkenden John Holmes verkörpert der beinahe gleichermaßen in Hollywoods-Unterliga abgedriftete Val Kilmer („Heat”), der hier jedoch endlich wieder einmal zur Hochform aufläuft und die wohl beste Darstellung seit Jahren abliefert. Es scheint so, als könne er kaputte Charaktere besser darstellen, nicht umsonst gehört auch seine Darstellung des nicht minder fertigen Jim Morrisson in „The Doors” zu seinen besten Rollen. Auch hier trumpft Kilmer auf, verleiht seiner Figur Tiefe und stellt zum einen die Suche nach Zuneigung und Beachtung, auf der anderen Seite aber auch das völlig rücksichtslose, verlogene Verhalten perfekt dar. Als junge Liebesgespielin weiß Kate Bosworth zu überzeugen, die im Surferfilm „Blue Crush” noch viel nackte Haut zeigte, hier aber durchaus beweist, dass in den kommenden Jahren mit ihr zu rechnen sein kann.

Entgegen ihrem sauberen „Friends”-Image zeigt auch Lisa Kudrow („Romy und Michelle”) eine engagierte Leistung, nicht minder überzeugend sind auch Nebendarsteller wie Josh Lucas („American Psycho“), Dylan McDermott („In the Line of Fire“) oder Eric Bogosian („Talk Radio“). Einen kurzen Gastauftritt konnte sich selbst Vorzeige-Blondchen Paris Hilton („House of Wax”) nicht verkneifen und auch Carrie „Prinzessin Leia” Fisher ist mit von der Partie. Mit „Wonderland” gibt es wieder einen hervorragenden Independent-Film zu begutachten, der aufgrund seiner Inszenierung und der durchweg guten darstellerischen Leistungen deutlich über dem Durchschnitt anzusiedeln ist. Gekonnt werden verschiedene Handlungsstränge verwoben und die auf wahren Begebenheiten stattgefundenen Geschehnisse so dargestellt, dass zwischen Spannung und Anspruch nicht viel Platz bleibt und der Zuschauer auch zum Mitdenken angeregt wird.

Wertung: (7,5 / 10)

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