…und dann kam Polly (USA 2004)

und-dann-kam-pollyEs wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, aus welchem Grunde Liebeskomödien der Moderne in unsäglicher Interaktion hinlänglich aufgewärmter Genreingredienzien und überstrapaziertem Humor jenseits der Gürtellinie in reger Folge Massen in die Kinos lotsen. Ungeachtet der Tatsache, dass jede altbackene Facette der Gattung des romantischen Filmvergnügens bereits bis zum Erbrechen wiedergekaut wurde, muss Liebe im dritten Jahrtausend neben dem Magen allen voran durch den Darm schleichen. Und so geschieht es, dass Adam Sandler („50 erste Dates”) plötzlich nicht mehr allein durch das rosarote Scheinwerferlicht fäkaler Schweinereien stolziert, sondern auch Karrierekomiker wie Ben Stiller auf den fahrenden Zug primitiver Schenkelklopfereien aufspringen.

Denn bei aller künstlerischen Relativität von Werken des Kalibers „Zoolander” weisen diese doch zumindest das erforderliche Fünkchen Eigenständigkeit auf, welches Lustspielerzeugnisse wie „…und dann kam Polly” beinahe schmerzlich vermissen lassen. Gesäumt von haarsträubend montierten Szenenwechseln und getüncht durch eine holprige Inszenierung, erzählt Autor („Meine Braut, ihr Vater und ich”, „Der Appartement Schreck”) und Regisseur („Die Safe Spezialisten”) John Hamburg die Geschichte des kleinkarierten Versicherungsangestellten Reuben (Ben Stiller), der ohne sorgfältige Abwägung keinerlei Entscheidung zu treffen vermag. Als der zwangsneurotische Ordnungsfanatiker am ersten Tag der Hochzeitsreise zu allem Überdruss auch noch die frisch angetraute Lisa (Debra Messing, „Hollywood Ending”) zwischen den Schenkeln des nudistischen Tauchlehrers Jacques (Hank Azaria, „Godzilla”) vorfindet, beschließt Reuben sein Leben zu ändern.

Zurück in New York begegnet er bei einer illustren Galerieeröffnung seiner alten Schulkameradin Polly (Jennifer Aniston, „Bruce Allmächtig”). Vom freien Geist der chaotischen Kellnerin inspiriert, versucht Reuben Abstand zu den gewohnten Bahnen seines Alltags zu gewinnen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Obgleich der Gegensätzlichkeit ihrer Wesen, entwickelt sich aus der anfänglichen Affäre eine Beziehung. Bis Lisa reumütig auf der Bildfläche erscheint, in fester Absicht, Reuben zurückzugewinnen. Dabei stellt sich die Frage, wozu man sein komödiantisches Talent ausschöpfen soll, wenn man selbiges auch in zweitklassigen Fäkal-Schmonzetten aufreiben kann? Zu Beginn seiner Karriere zeigte sich Ben Stiller in Einklang von Regisseur („Reality Bites”) und Darsteller („Permanent Midnight”) durchaus um den Spagat zwischen Unterhaltung und Tiefgang bemüht. Seit dem großen Durchbruch in der grell-satirischen Farrelly-Klamotte „Verrückt nach Mary” lässt sich das sympathische Multitalent jedoch zusehends auf das Spektrum des liebenswerten Tollpatsches festnageln.

Die daraus entstehenden Resultate mögen einen gewissen Unterhaltungswert aufweisen, künstlerische Erfüllung bescheren sie jedoch nicht. „…und dann kam Polly” bildet da keine Ausnahme, wässert John Hamburg die klassischen Tendenzen romantischer Komödien, angefangen beim unstimmigen Beginn in loser Folge durch derbe Anzüglichkeiten. Zoten um urinbefleckte Hände, Reizmägen und Durchfallattacken geben sich in diesem Sammelsurium uninspirierter Klischees die Klinke in die Hand. Das gröbste Manko des Filmes bildet jedoch der Umstand, dass die kauzigen Nebencharaktere den turtelnden Hauptdarstellern glatt die Schau stehlen. Allen voran Philip Seymour Hoffman („Punch Drunk Love”) läuft als Reubens bester Freund Sandy Lyle den übrigen Protagonisten zahlreicher humoristischer Rohrkrepierer zum Trotze glatt den Rang ab.

Alec Baldwin („Shadow und der Fluch des Khan”) als Stillers Vorgesetzter und Bryan Brown („Two Hands”) als risikofreudiger Extremsportler verleihen „…und dann kam Polly” überdies eine eigentümliche Note, täuschen jedoch nur im Ansatz über die charakterlichen Defizite der Hauptfiguren hinweg. Ben Stiller legt als konventioneller Kleinbürger eine durch und durch solide Leistung ab, überzeugt als spießiger Spross Woody Allens allerdings ebenso bedingt wie die aufgesetzt flippige Jennifer Aniston. Basierend auf dem angestaubten Gegensätze-ziehen-sich-an-Prinzip zerschellt das Potential dieser überwiegend uncharmanten Charakterstudie in erster Instanz an oftmals krudem Humor und kopfloser Vorhersehbarkeit. Am Schluss prangert schließlich die subtil moraline Unterwürfigkeit, dass nur Wagemutige in der Liebe bestehen können. Und mag der Erfolg John Hamburgs platter Posse auch für den Augenblick Recht geben, die unverwüstlichen Klassiker des Genres tun dies nicht.

Wertung: (4 / 10)

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