Sing mir das Lied der Rache (I/E 1973)

singmirdasliedderracheNach dem Ende des US-Bürgerkriegs finden sich nicht alle Soldaten der unterlegenen Südstaatenkonföderation mit der Niederlage ab. Insbesondere der ehemalige Offizier Machedo (William Berger, „Keoma – Melodie des Sterbens“) terrorisiert das Land mit seiner Bande gleichgesinnter Renegaten. Dicht auf den Fersen ist ihnen die schmucke Nordstaatenheroe Jeff Mulligan (Sergio Ciani, „Mein Leben für die Rache“). Als der aber dem Feind in die Hände fällt, folgt der geradezu genüsslich begangenen Demütigung die Entstellung der Schusshand. Man überlässt ihn seinem Schicksal. Doch weiß der Zuschauer längst, wohin ein solch zynischer Gnadenakt führt.

„Sing mir das Lied der Rache“ ist ein kurioser Vertreter des Spaghetti-Westerns, geht er doch zum einen als typischer Exploiter der Siebziger und zum anderen als Paradebeispiel für allumfassenden Dilettantismus durch. Ersteres zeigt sich, neben einer ausschweifend selbstzweckhaften Sexszene, vor allem in der zum Teil expliziten Zurschaustellung grafischer Gewalt. Das in diversen Folterszenarien aber nicht nur die Physis geschunden wird, verdeutlicht das an Mulligan praktizierte Verfahren der Unterwerfung. An Holzpflöcke gefesselt, umkreisen ihn seine berittenen Peiniger und spucken ihm aufs üppig geföhnte Haupthaar. Zwar pusten die Schurken in Nahaufnahme eigentlich nur in die Luft, die abstoßende Illusion aber wird durch Gegenschnitte erzeugt, bei denen der Gequälte mit Schlacke besprenkelt wird.

Regisseur Mario Bianchi („Sexorgien im Satansschloss”) verfügt weder über die Mittel, noch die Fertigkeit die simple Rachestory ansprechend in Szene zu setzen. Dazu kommt ein Soundtrack, der in seiner jazzigen Leichtigkeit kaum weniger zur Unterstreichung des Themas geeignet wäre. Allein der Auftaktsong erinnert mehr an einen James Bond-Streifen denn an die Tonalität des europäischen Westerns. Veränderungen in allen Ehren, aber diese Variante schießt doch weit über das anvisierte Ziel hinaus. Vor allem, wenn es daran geht die Traktierung von Hoden oder das Brandtmarken des Oberkörpers mit glühendem Metall voranzutreiben.

Aber es geht noch ärger, nämlich bei der Besetzung. Sergio Ciani, unter dem Pseudonym Alan Steel in Erscheinung tretend, versagt als Held mit nur einem Gesichtsausdruck auf ganzer Linie. Der gestählte Mime, der die Muskeln in der Hauptsache in italienischen Sandalenfilmen – darunter „Herkules – Rächer von Rom“ – spielen ließ, streift hier ein Cape aus Zorros Nachlass über und probt die Vendetta. Dass er dabei kaum mehr tut als geschwollen daherreden und den kernigen Schnauzbart spazieren zu führen, fördert neben zeitweiliger Lächerlichkeit auch aufkeimende Langatmigkeit. Selbst der gewohnt lustvoll den Bösewicht mimende William Berger hat dem geistlosen Genrewerk nichts entgegenzusetzen.

Nachdem Mulligan von den vermeintlich Toten zurückgekehrt ist, entwendet er Machedos Bande die Beute eines Bankraubs. Einige Verwicklungen später lockt er sie in eine Geisterstadt und rechnet mit den Strolchen ab. Auch hier verschenkt Bianchi jede Chance der Atmosphärenzeugung und greift lieber noch mal auf die Übervorteilung der Gewalt als Mittel der Unterhaltung zurück. Am Ende befällt nicht nur den Oberbösewicht der plötzliche Wahnsinn, sondern offensichtlich auch den Rest der Crew. Anders ist die Vielzahl der Kugeln, die er aus einen einzigem Colt ohne nachzuladen in die Umgebung feuert, kaum zu erklären. Aber es ist, wie es war: Wo Trash-Fans aufhorchen, schlägt der Rest beschämt die Hände vors Gesicht. Ein Rohrkrepierer ganz spezieller Güte.

Wertung: (2 / 10)

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