The Interview (USA 2014)

the-interview-rogen„They hate us ’cause they ain’t us!“ – Das Mantra der Außenseiter

In der heutigen Zeit sind Skandalfilme selten geworden. Die Überschreitung geschmacklicher Grenzen ist längst alltäglich und die Zahl verbliebener Tabus verschwindend gering. Dass ausgerechnet die Polit-Klamotte „The Interview“ für einen Eklat samt internationaler Spannungen sorgen würde, ließ nicht wenige Beobachter erschrocken und zugleich verblüfft zurück. Und das nur, weil die Filmemacher Seth Rogen und Evan Goldberg („This Is the End“) Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zum Ziel eines Mordkomplotts machen. Der Diktator konnte den Humor aus dem kapitalistischen Westen aber offenkundig nicht teilen.

Denn nach einem (mutmaßlich nordkoreanischen) Hackerangriff auf das Netzwerk des produzierenden Studios Sony wurden neben aktuellen Filmen auch private Mailkorrespondenzen und Kontaktdaten verschiedener Stars geleakt. Mehr noch wurde der US-Kinostart von „The Interview“ nach Terrordrohungen abgesagt und das fertige Werk in den Giftschrank verbannt. Um der Freiheit von Meinung und Kunst jedoch nicht vollends die Berechtigung zu entziehen, startete die 40-Millionen-Dollar-Produktion Ende Dezember in rund 300 Off-Lichtspielhäusern und wurde zeitgleich auf verschiedenen Streaming-Portalen veröffentlicht.

Die Aufregung jedoch bleibt einmal mehr unverständlich. Kim Jong-il, verstorbener Vater und Vorgänger des amtierenden Despoten, ließ sich von „Team America“ schließlich auch nicht zu Vergeltungsschlägen hinreißen. Was aber steckt letztlich hinter der von Rogen und Goldberg geschriebenen und gedrehten Groteske? Die Antwort ist simpel: Wenig Politik und viel Klamauk. Im Vordergrund steht munterer Zeitvertreib mit satirischen Spitzen. Nur zielen die beileibe nicht allein gegen das isolierte Nordkoreanische Regime, sondern auch gegen das amerikanische Selbstverständnis und die Oberflächlichkeit des Mediensystems.

Für das steht Trivial-Talkmaster Dave Skylark (James Franco, „Ananas Express“), der mit seinem Produzenten Aaron Rapaport (Rogen) ein Erfolgsteam bildet. Der Auftakt gerät zum irrwitzigen Schaulaufen der Stars, wenn Rapper Eminem vor laufenden Kameras seine Homosexualität bekundet oder Rob Lowe seine Glatzköpfigkeit publik macht. Doch Aaron will mehr als den Boulevard erobern. Er will seriösen Journalismus. Daraus entsteht die Idee eines Interviews mit Kim Jong-un (Randall Park, „Sex Tape“). Nach einem Sekundentreffen in der chinesischen Pampa erfolgt die Zusage samt Einladung nach Nordkorea. Der Machthaber ist nämlich großer Fan von Dave und seiner Sendung.

Kaum ist der Coup unter Dach und Fach, hagelt es Kritik. Denn das Interview wird vom Staatsapparat in Pjöngjang vorgegeben. Mehr noch tritt CIA-Agentin Lacey (Lizzy Kaplan, „Masters of Sex“) an Dave und Aaron heran und beauftragt sie, Kim Jong-un mit Gift zu töten. Doch Dave zögert, schließlich entpuppt sich der Tyrann als kumpelhafter Selbstzweifler mit Vaterkomplex und Vorliebe für Katy Perry. Eine der lustigsten Szenen bezieht sich auf einen russischen Panzer, den Kim Jong-il, so erzählt der Sohn, von Stalin geschenkt bekam. Darauf weiß Dave nur zu erwidern, dass man den Namen in Amerika „Stallone“ aussprechen würde. Überhaupt stellt sich Charakterdarsteller James Franco sehenswert dumm. Kumpel Rogen gerät da zwangsläufig ins Hintertreffen.

Natürlich sorgt die Verbrüderung zwischen Interviewer und Staatsvorsteher für Interessenskonflikte. Die blähen den Mittelteil merklich auf und münden, nachdem die wahren Absichten des Despoten enthüllt sind, in ein irrwitziges Finale, bei dem das Live-Gespräch mit Kim Jong-un zur Entlarvung im „Frost/Nixon“-Stil gerät. In typischer Blockbuster-Manier sprechen auch die Waffen. Dabei werden Statisten blutig in Zeitlupe zerpflückt und im Duell Panzer gegen Kampfhubschrauber wird kurz „Rambo III“ zitiert. Obwohl „The Interview“ nicht von großem Geist kündet, macht der Film über weite Strecken Spaß. Das Witz-Niveau ist dabei erwartungsgemäß tiefergelegt. Daran stören wird sich außerhalb Nordkoreas aber wohl niemand.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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