Mobsters – Die wahren Bosse (USA 1991)

mobsters-die-wahren-bosseEin Gangsterfilm für die MTV-Generation. Mit aufstrebenden Jungstars und der Anlehnung an große Klassiker. Damit erinnert „Mobsters“ (dt. Titel: „Das teuflische Imperium“) an „Young Guns“, der sich drei Jahre zuvor unter ähnlichen Vorzeichen dem Western näherte. Gleich ist beiden Werken auch die Schnelllebigkeit. Oberflächlich werden reale Ereignisse und Protagonisten gestreift, ohne den Zeitgeist der jeweiligen Ära glaubhaft vermitteln zu können. Aber Hollywood einen Bildungsauftrag aufbürden zu wollen, ginge zu weit. Denn primär will und soll Kino unterhalten. Das tut es auch im Falle von Michael Karbelnikoffs („F.T.W. – Tiefer als Hass“) Verbrecherportrait. Wenn auch ohne jede Nachwirkung.

Erzählt wird, wie im New York des Jahres 1917 vier jugendliche Migranten zueinander finden. Die beiden Italiener Charlie ´Lucky´ Luciano (Christian Slater, „True Romance“) und Frankie Costello (Costas Mandylor, „Saw III – VII“) sowie die jüdisch-stämmigen Meyer Lansky (Patrick Dempsey, „Grey’s Anatomy“) und Bugsy Siegel (Richard Grieco, „21 Jump Street“) raufen sich zusammen und steigen in der Prohibitionsära zu berüchtigten Kriminellen auf. Unter dem Schutz von Arnold Rothstein (F. Murray Abraham, „Amadeus“) gewinnen sie schnell an Macht, Einfluss und Feinden. Am Ende sind sie Zünglein an der Waage des schwelenden Konflikts zwischen den Unterwelt-Bossen Don Massera (Altstar Anthony Quinn, „Alexis Sorbas“) und Faranzano (Michael Gambon, „Sleepy Hollow“).

Über rund zwei Stunden arbeitet sich Karbelnikoff an dieser recht überschaubaren Prämisse ab, ohne sich – und den Zuschauer – mit Details zu beschweren. So genügt stets die Andeutung, dass Luciano und Lansky die Köpfe sind, während sich Costello und Siegel eher fürs Grobe zuständig fühlen dürfen. Der Alkoholschmuggel wird in einem Halbsatz erwähnt, aber außer innigen Gesprächen übers Verbrecherdasein lassen sich die gewieften Nachwuchs-Paten nichts zuschulden kommen. Auch der Rückgriff auf die zuweilen blutige Gewalt wird kaum als Zeichen der Gesetzlosigkeit gezeigt, sondern eher durch Ehrenkodex und Rache gerechtfertigt. Differenziert ist die Darstellung der verbürgten Gangster damit nicht.

Vor allem nicht, weil eine Charakterisierung unter der Oberfläche ausbleibt. Die Besetzung ist mit Lara Flynn Boyle („Red Rock West“) als Lucianos Showgirl-Geliebte Mara Motes, Joe Viterelli („Reine Nervensache“), Seymour Cassel („Dick Tracy“), „Maniac Cop“ Robert Z‘Dar oder Chris Penn („Reservoir Dogs“) bis in die Nebenrollen prominent bestückt. Aber der Aufwand erschöpft sich in bemühtem Zeitkolorit und solider Schauspielkunst. Dem gegenüber steht jedoch ein der Komplexität von Zeit und Protagonisten kaum gerecht werdendes Skript, das sich als Vorgeschichte legendärer Gangsterbiographien versteht, deren Faszination aber nur bedingt abzubilden versteht. Mit den großen Genre-Klassikern ist man da deutlich besser bedient.

Wertung: (5 / 10)

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