Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (NZ/USA 2012)

der-hobbit-eine-unerwartete-reiseEr hat es also wieder getan. Abermals ist Peter Jackson in die Welt von Mittelerde eingetaucht und lässt die Tourismusbranche von Neuseeland jubeln. Auch wenn das Projekt anfangs unter keinem guten Stern stand und Jackson erst im Nachgang den ursprünglich für die Regie eingeplanten (und noch immer am Drehbuch beteiligten) Guillermo del Toro („Pans Labyrinth”) ablöste. Das allerdings macht den Einstieg einfach. „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ verzaubert und beeindruckt, von der ersten Minute an. Farbgebung, Naturkulissen und der Erzählstil erinnern gleich an die großartige „Herr der Ringe“-Trilogie. Kann das aber auf ganzer Länge überzeugen und ausreichen? Die Vorgeschichte ist ein Kinderbuch und deutlich weniger opulent und düster als die „Herr der Ringe“-Saga. Statt zwei soll der „Hobbit“ nun sogar drei Teile umfassen. Da bleiben Längen nicht aus.

Tatsächlich kommt „Der Hobbit – Ein unerwartete Reise“ auch erst nach gut anderthalb Stunden richtig in Fahrt. Zuvor gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten (Elijah Wood, Ian Holm) und eine erste Vorstellung davon, was der Drache Smaug wohl in den späteren Filmen noch anstellen wird. Denn um diesen Drachen geht es in „Der kleine Hobbit“. Die Geschichte spielt sechzig Jahre vor „Herr der Ringe“ und erzählt vom Kampf von dreizehn Zwergen, die mit dem jungen Bilbo Beutlin (Martin Freeman, „Sherlock”) sowie Zauberer Gandalf (Ian McKellen) in den Kampf ziehen, um ihre alte Heimat Erebor von Smaug zu befreien, der die Stadt inmitten des Berges vor vielen Jahren angriff und die Zwerge vertrieb.

Auf dem Weg dahin erlebt die Gruppe bereits im ersten von drei Filmen diverse Abenteuer. Sei es der Kampf gegen Orks, deren Anführer eine Rechnung mit dem Zwergen-Oberhaupt Thorin Eichenschild (Richard Armitage, „Strike Back”) zu begleichen hat, drei hungrige Trolle oder lebendige Steinriesen. Regisseur Peter Jackson fährt in diesem ersten Film bereits gewaltige Geschütze auf, zumindest wenn man die erste Hälfte des Films überstanden hat. Denn dort steht das Kennenlernen der Zwerge mit ihrem Helfer aus dem Auenland im Fokus. Jener Bilbo Beutlin ist hier ein eher gemütlicher Zeitgenosse, der von großen Heldentaten weit entfernt ist, sich seine Sporen im Laufe der Geschichte aber redlich verdient. Die erste Stunde lebt von kurzweiligen Dialogen, Essgelagen und liebevoll gestalteten Kulissen. Spätestens aber wenn die Gruppe in Bruchtal bei den Elben einkehrt, ändert sich das Tempo gehörig.

Auch hier gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Christopher Lee als (guter) Saruman, Cate Blanchett als Galadriel oder Hugo Weaving als Elrond sorgen für Wiedererkennungswert. Ab da beginnt schon fast das aufwendige, spektakuläre Finale des Films, welches sich fast eine Stunde hinzieht. Neben der actionreichen Flucht aus einer Orkhöhle ist es vor allem das Aufeinandertreffen von Bilbo und Gollum, welches zu den Highlights des Films gehört. Gollum (Andy Serkis) wirkt nochmals deutlich realistischer als zu „Herr der Ringe“-Zeiten. Überhaupt nutzt Jackson den neuesten Stand der Technik komplett aus. Hochaufllösendes Sehvergnügen mit 48 Bildern je Sekunde (der bisherige Standard sind 24 Bilder) und 3D-Technik, all das lässt den „Hobbit“ wie XXL-Kino aussehen. Durch die Schärfe der Bilder wirkt manches allerdings etwas störend. Gerade in den Actionszenen ist eine gewisse künstliche Wirkung durch die fließenden Bewegungen, die diese Technik mitbringt, nicht zu verleugnen. Dafür sind die Gesichter gestochen scharf und insbesondere die 3D-Effekte lassen Mittelerde mit seinen großartigen Naturkulissen zu einem bisweilen ganz anderen Erlebnis werden.

Wurden die immens hohen Erwartungen aber nun erfüllt? Bis auf wenige Ausnahmen definitiv. „Der Hobbit – Eine unterwartete Reise“ ist großartiges Popcorn-Kino, auch wenn es sicherlich ein paar kleinere Makel gibt. Trotz der Länge von fast drei Stunden wirkt der Film aber nie zu lang. Natürlich hätte man sich manche Dialoge, manche Szenen sparen können, aber der Film unterhält bis zum Ende perfekt. Die Kinnlade mag nicht mehr so oft nach unten fallen wie es vor ein paar Jahren noch der Fall war. Doch was noch möglich ist, beweist besonders die zweite Hälfte des Films. Insofern ist dies ein guter, manchmal beeindruckender Start in eine neue Mittelerde-Trilogie.

Wertung: (8 / 10)

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