Der Name der Rose (D/F/I 1986)

der-name-der-rose„Laughter kills fear. And without fear, there can be no faith. Because without fear of the devil, there is no need of god.” – Jorge de Burgos

„Der Name der Rose” zählt zu den hervorragenden Buchadaptionen der Filmgeschichte. Nicht, dass es Jean-Jacques Annaud allzu genau mit der Vorlage Umberto Ecos nähme. Geschickterweise reduziert der französische Meisterregisseur („Der Bär“) die Komplexität des Mittelalter-Romans auf die kriminalistische Komponente. In deren Zentrum steht eine Abtei in den italienischen Hochlagen, die den Austragungsort eines christlichen Diskurses über die Grundfesten des Glaubens stellt. War Jesus Christus arm, und wenn ja, sollte die Kirche ihren Prunk dann weniger zur Schau stellen?

Einer der Gesandten Diskussionsteilnehmer ist der Franziskanermönch William von Baskerville (Sean Connery, „Robin und Marian“). In seinem von Rationalität getriebenen Verstand bewegt er sich stets am Rande der Ketzerei. Die scheinbare Arroganz des streitfreudigen Geistlichen ist mehr der Stolz des Intellektuellen, sich vornehmlich im Recht zu wähnen. Eben diese kombinatorischen Fähigkeiten veranlassen den klösterlichen Abt (Michael Lonsdale, „Jefferson in Paris“), William von Baskerville um Mithilfe bei der Enträtselung eines mysteriösen Todesfalls zu bitten. Ein Ordensbruder kam unter scheinbar teuflischen Umständen ums Leben. Baskerville und sein junger Novize Adso von Melk (Christian Slater, „True Romance“) schreiten rasch zur Tat und stoßen auf eine Verschwörung, die bald weitere Opfer fordert.

Die Mischung aus Klerikal-Krimi und Kirchen-Kritik ist geprägt durch ihr zeitloses Ambiente. Die im besten Sinne europäische Umsetzung, das von schmuckloser Schmutzkruste überlagerte Produktionsdesign, ist nicht der Optik einer Hollywood-Epoche unterworfen. Der Film lässt das kreative Potenzial verschiedener Nationen einfließen. Ein deutscher Produzent (Bernd Eichinger, „Das Parfüm“), ein französischer Regisseur, ein britischer Hauptdarsteller, ein amerikanischer Komponist (James Horner, „Troja“), vereint unter der literarischen Schirmherrschaft eines Italieners.

Sean Connery trägt den Film mit der Präsenz eines Superstars. Er ist der Kniefall vor einem Massenpublikum, er dankt die Verpflichtung mit der charmant ironischen Typisierung der Rolle hin zu klassischen Romanermittlern wie Sherlock Holmes. Natürlich verlangt dies modernistische Profil nach einem Gegenspieler. Er findet sich im erzkonservativen Inquisitor Bernardo Gui (F. Murray Abraham, „Nostradamus“). Auch er will das Rätsel der mysteriösen Morde entschlüsseln, obgleich seiner Profession entsprechend mit Daumenschrauben und Scheiterhaufen. Die intellektuelle Duellsituation der Vernunft gegen den Glauben gewinnt dadurch an Schärfe, dass Baskerville einst selbst ins Visier Guis geriet. Der Film ist klug genug seinen Anspruch nicht durch Unterhaltsamkeitsattribute und das infernalische Flammenfinale zu schmälern. Vielmehr trotzt er mit leisem Humor und Kurzweil den Längen des Romans. Eine bessere Verfilmung hätte dies Mammutwerk kaum ereilen können.

Wertung: (8 / 10)

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