Dead Man Down (USA 2013)

deadmandown„They killed my wife, and they thought they killed me too. And they should’ve made sure of it.“ – Auf Vergeltungskurs: Victor

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis Niels Arden Oplev dem Ruf Hollywoods folgen würde. In der schwedischen Heimat drehte der Regisseur den ersten Teil der „Millennium“-Trilogie, die, ursprünglich fürs Fernsehen konzipiert, in gestraffter Form auch in die Kinos kam. Echte Kinoqualität hatte dabei allerdings nur der von Oplev verantwortete Auftakt „Verblendung“. Dem folgten Arbeiten fürs Fernsehen, ehe er mit „Dead Man Down“ seinen US-Leinwandeinstand feierte. Zwar hat der Film mit Colin Farrell („7 Psychos“) und „Millennium“-Star Noomi Rapace sehenswerte Hauptdarsteller zu bieten, verliert sich zwischen Thriller und Drama aber im Ungleichgewicht überzeugender Charakterskizzen und klischeehafter Actionlast.

Farrell spielt den Ungar Victor, der sich in New York dem Gangstersyndikat von Alphonse Hoyt (Terrence Howard, „Prisoners“) angeschlossen hat. Der lässt unter anderem Mieter bestimmter Immobilien systematisch bedrohen, was nach deren Auszug die Grundstückspreise massiv senkt und windige Spekulanten (vertreten durch Armand Assante, „American Gangster“) auf den Plan ruft. Doch der harte Hoyt hat Sorgen. Ein Unbekannter schickt Drohnachrichten und wird auch mit dem Verschwinden eines Vertrauten in Verbindung gebracht. In Verdacht gerät die Konkurrenz, mit deren unerbittlicher Auslöschung das Problem aber längst nicht beseitigt ist.

Der Auftakt geriet Oplev sehenswert düster und vielversprechend verschachtelt. Lange halten kann das Drehbuch diese Qualität jedoch nicht. Denn schnell steht fest, dass Victor, der eigentlich Laszlo heißt, hinter den Drohungen steckt. Dass die stets mit einem Fotoschnipsel verschickt werden, macht den Verlust seiner Familie durch die Handlanger Hoyts unverzüglich klar. Unterstützt vom Onkel (F. Murray Abraham, „Mimic“) der getöteten Frau hat Victor/Laszlo die Bande unterwandert. Als einzigen Freund erachtet er Darcy (Dominic Cooper, „The Devil’s Double“), den er versucht aus der Schusslinie zu halten. Verkompliziert wird die Vendetta durch Nachbarin Beatrice (Rapace), die Victor/Lazlo dabei gefilmt hat, wie er in seiner Wohnung ein Syndikatsmitglied ermordete.

Für ihr Schweigen verlangt Beatrice, die nach einem fremdverschuldeten Verkehrsunfall im Gesicht (dezent) entstellt ist, dass er den mit milder Strafe belegten Unfallverursacher tötet. In ihr, die mit ihrer Mutter Valentine (Isabelle Huppert, „Liebe“) zusammen wohnt und von den Nachbarskindern mit Dreck und Beleidigungen beworfen wird, findet Victor/Laszlo zögerlich eine Vertraute. Die Romanze zweier gebrochener Figuren überzeugt, was für den zunehmend logikfrei konstruierten Thriller-Plot und konventionelle Action-Intermezzi (inklusive übertrieben krawalligem Showdown) jedoch nicht gilt. Auch dramaturgisch gibt sich „Dead Man Down“ im Schlussdrittel arg holprig, wenn Darcy dem Racheengel auf die Schliche zu kommen droht, während der ein Osteuropäisches Killerkommando und Hoyt gegeneinander ausspielt. Weniger wäre da auch diesmal eindeutig mehr gewesen.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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