Julie & Julia (USA 2009)

julie-&-juliaBei der Penetranz, mit der TV-Deutschland die Unmenge sogenannter Star-Köche ins Rennen um die Quote schickt, fällt es eigentlich schwer, einen Film über das ausgiebige Zubereiten kalorienreicher Nahrung gut zu finden. Es geht aber wider Erwarten doch, wie die Filmemacherin Nora Ephron beweist, die seit Filmen wie „Schlaflos in Seattle“ oder „E-Mail für Dich“ eigentlich fest im romantischen Sattel sitzt. Um Liebe geht es zwar auch in ihrem letzten Film „Julie & Julia“, doch vielmehr ist es die Liebe und Leidenschaft zum Kochen. Ein eher untypisches Terrain auf das sich Ephron somit bewegt, aber auch diese Aufgabe meistert sie in erfrischender Manier. Wobei ihr mit Amy Adams („Glaubensfrage“), Stanley Tucci („Der Teufel trägt Prada“) und natürlich Meryl Streep („Glaubensfrage“) nicht nur sympathische, sondern zum Teil eben auch verdammt gute Darsteller zur Seite stehen.

Die Geschichte basiert auf zwei Büchern, die sich mit der realen Kochlegende Julia Child beschäftigen. Im einen geht es um ein von ihr selbst verfasstes Kochbuch, im anderen um die Erfahrungen mit jenem Buch von Julie Powell. Ephron verwebt beide Bücher zu einer Geschichte, obwohl sich die Erlebnisse von Julia Child weitgehend in den 50er Jahren bewegen, während Julie Powell im New York des Jahres 2002 lebt. Dort arbeitet diese in einem Call-Center und wohnt mit ihrem Mann Eric (Chris Messina) in einer kleinen, gemütlichen Wohnung. Angewidert von ihrem Job beschließt sie, ihre eigentliche Berufung – das Schreiben – wieder aufzunehmen. Als großer Fan der TV-Köchin Julia Child widmet sie sich deren Kochbuch „Mastering the Art of French Cooking“ mit seinen mehr als 500 Rezepten und beabsichtigt jedes Gericht binnen eines Jahres „verkochen“. Ihre Erlebnisse will sie in einem Internet-Blog veröffentlichen. Parallel dazu wird die Geschichte der von Julia Child und deren Faible für das Kochen erzählt.

In zwei unterschiedlichen Handlungssträngen und durch einige Jahrzehnte voneinander getrennt erzählt Regisseurin Nora Ephron ihre kleine, aber stets feine Geschichte von zwei Frauen, die über das Kochen ihre eigentliche Berufung finden. Meryl Streep als Diplomatenfrau von Stanley Tucci findet mehr aus Langeweile zum Kochen, während Amy Adams erst im Laufe der Zeit eine Art positive Besessenheit dafür entwickelt und gerade zu Beginn den einen oder anderen Rückschlag verkraften muss. Sympathisch sind dabei beide Charaktere. Meryl Streep als leicht hektische, chaotische aber stets zielstrebige Ehefrau und Köchin, Amy Adams dagegen als sympathische, liebenswerte junge Frau von Nebenan. Beide haben in ihrer Zeit unterschiedliche Probleme, wobei die Beziehung von Streep und Tucci insgesamt deutlich mehr zu bieten hat. Was aber auch daran liegen mag, das beide einfach wunderbar miteinander harmonieren.

Nora Ephrons kleine Geschichte löst sich ein wenig von den Filmen, die sie bislang vornehmlich ausgezeichnet haben. Es geht auch um Liebe und natürlich müssen auch einige (kleinere) Probleme gelöst werden, aber stets steht die Verbindung der beiden Frauen im Vordergrund. Das wird mal witzig, mal etwas tragischer, nie aber traurig erzählt. Das macht „Julie & Julia“ nicht zu einem überaus anspruchsvollen Film, dafür aber zu einem unglaublich sympathischen. Und nebenbei lernt man noch eine Heldin der US-Fernsehgeschichte kennen.

Wertung: (7 / 10)

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