Suffragette – Taten statt Worte (GB 2015)

suffragette-taten-statt-worte„Deeds Not Words.“ – Das Credo der Emmeline Pankhurst

Gleichberechtigung will erkämpft werden. Notfalls mit drastischen Mitteln. Dass ein Film wie „Suffragette“ trotz des Anstrichs eines Period Dramas auch heute noch aktuell ist, verdeutlicht u.a. der Blick auf die Debatte um die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Wie lange gesellschaftliche Veränderungsprozesse andauern können, belegt der Kampf für das Wahlrecht der Frau in Großbritannien. Massiv dafür eingesetzt hatte sich Emmeline Pankhurst, die mit der „Women’s Social and Political Union“ 1903 eine Bewegung schuf, die patriarchalen sozialen und justizialen Strukturen mit Standfestigkeit und bisweilen radikalem Aktionismus entgegentrat.

Dabei ging es den sogenannten Suffragetten nicht allein um das Recht der politischen Partizipation, sondern die Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Der Durchbruch erfolgte jedoch erst 1928, mit dem offiziellen Beschluss des bedingungslosen Wahlrechts auch für Frauen. Dem beschwerlichen Weg dorthin hat Regisseurin Sarah Gavron („Brick Lane“) ein Kino-Mahnmal gesetzt, in dem reale Ereignisse und Hintergründe mit fiktiven Frauenschicksalen verschwimmen. Im Mittelpunkt steht Carey Mulligan („Shame“), die als Wäscherin Maude Watts in den Kampf um Emanzipation und Selbstbestimmung eingreift. 1912 wird sie von Kollegin Violet (Anne-Marie Duff, „Die unbarmherzigen Schwestern“) in die Vereinigung eingeführt – und zahlt für ihr Engagement einen hohen Preis.

Intellektuelle Anführerin der Londoner Suffragetten ist Apothekerin Edith Ellyn (Helena Bonham Carter, „The King’s Speech“), die insbesondere Arbeiterinnen um sich schart, um die Forderungen der ikonesken Vordenkerin Emmeline Pankhurst (mit starkem Kurzauftritt: Meryl Streep, „Die eiserne Lady“) über Demonstrationszüge und zivilen Ungehorsam durchzusetzen. Das bringt die Polizei auf den Plan, die, angeführt vom pflichtbewussten Arthur Steed (Brendan Gleeson, „Im Herzen der See“), zu großangelegten Observationen ausholt und dem weiblichen Widerstand mit Knüppeln und Haftstrafen begegnet. Auch Maude muss bald erfahren, dass der in ihr entfachte Idealismus von sozialer Ächtung überschattet wird. Doch selbst als sie Ehemann Sonny (Ben Whishaw, „Das Parfüm“) vor die Tür setzt und ihr den gemeinsamen Sohn vorenthält, lässt sich die junge Frau nicht beugen.

Keine Frage, das erlesen besetzte und sehenswert ausgestattete Drama überzeugt. Abstriche gilt es trotzdem in Kauf zu nehmen. Die hängen vorrangig mit Abi Morgans („Die eiserne Lady“) Skript zusammen, das relevante Facetten und Zusammenhänge kaum angemessen abbildet und bei der Gegenüberstellung von Männern und Frauen bisweilen in Klischees verfällt. Klare politische Botschaften liegen dem Protest der Suffragetten kaum zugrunde. Es scheint eher gegen die männliche Dominanz an sich zu gehen, was der Wahrheit nicht unbedingt fern liegt, hier aber beispielsweise am konstanten Missbrauch junger Wäscherinnen durch ihren Arbeitgeber festgemacht wird. Die sehenswerten Leistungen der Darsteller(innen) lassen über plakative Schwächen wie diese aber wohlwollend hinwegsehen. Ein keineswegs perfektes, aber doch insgesamt packendes Plädoyer gegen soziale Unterdrückung.

Wertung: (7,5 / 10)

scroll to top