Einsame Entscheidung (USA 1996)

einsame-entscheidungEs fällt schwer, einem Film wie „Einsame Entscheidung“ prophetisches politisches Gespür zu attestieren. Von der Hand zu weisen ist es trotzdem nicht. Schließlich rückten die Drehbuchautoren Jim und John Thomas („Predator“) fünf Jahre vor 9/11 den Plan islamistischer Terroristen in den Mittelpunkt, ein gekapertes Linienflugzeug für einen verheerenden Anschlag auf amerikanischem Boden zu nutzen. Aber es gibt ja noch Kurt Russell („Die Klapperschlange“), der als Analyst und strategischer Berater des Geheimdienstes zum Helden wider Willen avanciert. Vom standesgemäßen Happy End ist – anders als in der Realität des 11. September 2001 – also auszugehen. Doch selbst wenn der von Joel Silver („Phantom Commando“) produzierte Thriller von der Wirklichkeit eingeholt wurde, partiell packend ist er dennoch geraten.

Ausschlag für die Entführung gibt die Festsetzung des Terroristenführers Jaffa (Andreas Katsulas, „Babylon 5“). Um ihn freizupressen, bringt eine Extremistengruppe um den fanatischen Nagi Hassan (David Suchet, „Bank Job“) die vollbesetzte Boeing 747 in ihre Gewalt. Zum Krisentreffen unter Verteidigungsminister White (Len Cariou, „Thirteen Days“) wird auch Russells David Grant geladen. Als der verwegene Plan formuliert wird, Supersoldat Austin Travis (Steven Seagal, „Alarmstufe: Rot“) samt Elite-Team mit einem neu entwickelten Tarnkappenflieger an die Passagiermaschine andocken zu lassen, wird – neben Konstrukteur Dennis Cahill (Oliver Platt, „Lake Placid“) – auch Schreibtischtäter Grant zum Einsatz berufen. Doch der heimliche Enterversuch glückt nicht vollends, so dass der toughe Militarist Travis auf der Strecke bleibt.

Hätte Seagal die Hauptrolle gespielt, der Ablauf des Drehbuchs wäre glasklar vorhersehbar gewesen. Mit der durchaus cleveren frühen Ausmerzung des damals noch schlanken Actionheroen wird in bester „Stirb langsam“-Tradition jedoch ans Pflichtbewusstsein der Normalos appelliert. Allerdings sind die nicht allein, hat sich neben Grant und Cahill doch auch eine überschaubare Soldatengruppe um John Leguizamo („Spawn“), B.D. Wong („Oz – Hölle hinter Gittern“) und den wie in „Daylight“ körperlich rasch beeinträchtigten Joe Morton an Bord gerettet. Ohne Kontakt zum Krisenstab müssen sie versuchen, die Terroristen auszuschalten, bevor Kampfjets den Flieger abschießen. Beistand erhalten sie von der heimlich kontaktierten Stewardess Jean (Halle Berry, „Monster’s Ball“), die versucht Indizien dafür zu finden, welcher Passagier den Finger auf dem Auslöser einer in der Maschine platzierten Bombe hat.

Als reinrassiger Actionfilm geht „Einsame Entscheidung“ kaum durch. Mit Augenmerk auf die sorgfältige Vorbereitung des finalen Gegenschlags wird das Tempo nicht zwingend hoch gehalten, doch sorgen engagierte Darsteller (darunter auch J.T. Walsh, „Verhandlungssache“) und ein respektabler Spannungsbogen für ansprechende Unterhaltung. An Klischees wird streckenweise zwar nicht gegeizt und auch die Figuren bleiben auf die wesentlichsten Charakterzüge reduziert, dafür ist die Machart durchweg kompetent – Regie führte der etablierte Cutter Stuart Baird („Lethal Weapon“), die Musik steuerte Jerry Goldsmith (erhielt für den Score von „Das Omen“ einen Oscar) bei – und der Pathos-Anteil verhältnismäßig gering. Schämen muss sich für dies ansehnliche Genre-Filmchen sicher keiner der Beteiligten.

Wertung: (6,5 / 10)

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