The Pest – Jagd auf das Chamäleon (USA 1997)

Es erscheint fraglich, wie es John Leguizamo („Bloodline“) nach 1997 noch gelingen konnte, Arbeit im Filmgeschäft zu finden. Der 1964 in Kolumbien geborene Mime ist zweifelsfrei ein charismatischer und vielseitiger Schauspieler. Dennoch absolvierte er in besagtem Jahr zwei Kinoauftritte, die das Prädikat „Karriere-Torpedos“ vollumfänglich verdienen: Der eine ist die verhunzte Comic-Verfilmung „Spawn“, in der Leguizamo am Rande der Fremdscham den fettleibigen Höllen-Clown Violator gab, der andere, noch weit ärgere, die witzlose Menschenhatz-Posse „The Pest“.

Beide Werke sind wie Unfälle, bei denen es bei allem Grauen schwerfällt, den Blick abzuwenden. Zu groß ist der angerichtete (vorrangig finanzielle) Schaden, zu üppig die – ob intendiert oder nicht – humoristische Verfehlung. Während Leguizamo in „Spawn“ aber lediglich eine Nebenrolle bekleidete, hatte er in „The Pest“ einen seltenen (und selten penetranten) Hauptpart inne. Als Kleingauner Pestario Vargas, genannt „Pest“, raubt er seinen Mitmenschen Kleinbeträge und den letzten Nerv. Bereits die einleitende Dusch-/Gesangsnummer ist in seiner grassierenden Peinlichkeit nur schwerlich zu ertragen. Und danach wird es vor allem eines: zunehmend schlimmer.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung gerät Pest durch eine Verwechslung ins Visier des passionierten deutschen Jägers Gustav Shank (im Original mit bemüht aufgesetztem Akzent: Jeffrey Jones, „Ferris macht blau“), der bevorzugt Menschen erlegt. Auf seiner Privatinsel hetzt der rassistische Unmensch Opfer aller Nationalitäten zu Tode. Das schändliche Hobby in Anlehnung an „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ (1932) soll Pest 50.000 Dollar bescheren – sofern er das tödliche Spiel überlebt. Genau diesen Betrag benötigt die notorische Nervensäge mit Hang zu schrägen Verkleidungen, um Schulden bei der schottischen Mafia zu begleichen.

„The Pest“ eine stringente Handlung zu attestieren, würde am Kern der episodischen Albernheit meilenweit vorbeiführen. Der von TV-Regisseur Paul Miller („Saturday Night Live“) hinter der Kamera verantwortete Unfug dient allein als Spielfläche, um den auch an Produktion und Drehbuch beteiligten Leguizamo zügellos – und meist akut komikresistent – über die Stränge schlagen zu lassen. Bester Stichwortgeber ist da noch Shanks schwuler Sohn Himmel (Edoardo Ballerini, „Romeo Must Die“), mit dem Pest in die Zivilisation entkommt. In Sicherheit ist er damit aber längst nicht.

Vereinzelte Ideen, etwas das „Wettrüsten“ der Auto-Stereoanlagen vor dem Nachtclub, mögen noch als gelungen absurd durchgehen. In der Hauptsache forciert das humoristische Niveau jedoch einzig den beschämten Blick Richtung Fußboden. Die übrige Besetzung, die in Nebenrollen immerhin Freddy Rodríguez („Six Feet Under“), Tom McCleister („Eine schrecklich nette Familie“) und Joe Morton („Eureka“) auffährt, bleibt kaum mehr als gesichtsloses Beiwerk. Dass der hibbelige Comedy-Quatsch im US-Kino gnadenlos abstank, verwundert nicht im Geringsten. Mehr schon, dass es John Leguizamo in den Folgejahren gelang, sich als Charakterdarsteller zu etablieren. Vielleicht ist aber selbst diese Pointe einfach kaum als solche zu erkennen gewesen.

Wertung: (2,5 / 10)

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