Drowning – 23 (2018, Demons Run Amok)

Hardcore und Hip-Hop scheinen nur auf den ersten Blick schwerlich vereinbar. Denn in der Vergangenheit sorgten diverse Genre-Vertreter für eine Näherung der beiden Stilgattungen. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: WORDS OF CONCRETE. Allerdings bezieht sich dies symbiotische Verhältnis meist auf vereinzelte Passagen oder Tracks. Die aus Chicago stammende Formation DROWNING geht noch einen Schritt weiter. Bei ihnen treffen Hardcore und Metal auf nahezu durchgängigen Sprechgesang. Wem nun automatisch DEEZ NUTS ins Gedächtnis steigen, liegt nicht gänzlich falsch. Doch mit der Gangshout-lastigen, in der Hauptsache geradlinigen Kelle der Australier haben die US-Kollegen wenig gemein.

Bei zwei Nummern des jüngsten DROWNING-Streiches „23“, namentlich „Gods“ und „Run It“, übt der Hip-Hop im Stile des „Judgement Night“-Soundtracks maßgeblichen Einfluss aus. Diese moderne Form des Crossovers erscheint mitunter wie ein explodierter Klang-Farbkasten. Mal wirkt die Scheibe wie LIMP BIZKIT auf Metal-Core, mal tost der Hardcore wie entfesselt auf hergebrachtem Terrain. Verschiedene Gast-Sänger unterstreichen den grundlegend vielseitigen Charakter der Platte. Diese größte Stärke entpuppt sich jedoch zugleich als deutlichstes Manko. Denn „23“ erscheint fast wie ein Sampler und nicht wie das durchgängig homogene Werk eines Bandverbunds. Trotzdem bietet der Vierer zünftige Ohr-Dresche (vor allem bei „World of Snakes“) und dürfte aufgeschlossenen Publikumszirkeln eine durchaus willkommene Abwechslung verheißen.

Wertung: (6 / 10)

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