Die Legende von Aang (USA 2010)

die-legende-von-aangEin Kind, das Tote sieht. Ein Erwachsener, der auf Pflanzen einredet. Ein Priester, der auf Aliens eindrischt. Willkommen in der kunterbunten Welt des M. Night Shyamalan! Nach seinem zu Recht als Meisterwerk gefeiertem Einstand „The Sixth Sense“ als Hollywoods neues Wunderkind hofiert, konnte er auch mit seinem zweiten Werk „Unbreakable“ noch bei Kritikern wie auch beim Publikum punkten. Einige schwächere Werke später, als er mit dem konfusen „Lady in the Water“ endgültig den Vogel abschoss, um dann mit „The Happening“ sogar noch einen draufzulegen, degradierten die meisten Kinogänger den smarten Inder vom gefeierten Suspense-Meister zum eingebildeten Kino-Kasperle.

Ein gewaltiger Karriereknick war die Folge, so dass natürlich ein neuer Film-Hit die Menschheit vom Gegenteil der Verleumdungen überzeugen musste. Dafür wollte Manoj Nelliyattu, wie Shyamalan eigentlich mit Vornamen heißt, kein eigenes Drehbuch für die große Leinwand adaptieren, sondern dem überaus erfolgreichen Nickeloden-Cartoon „Avatar: The Last Airbender“ zu Realfilm-Ehren verhelfen. Epische Fantasy sollte „Die Legende von Aang“, so die deutsche Betitelung, werden. Diese Literatur- und Filmgattung hält sich meist stringent an vorgegeben Richtlinien. Der Zuschauer bzw. Leser bekommt allzu oft dasselbe Szenario vorgesetzt: Abenteuerliche Quest von bunt zusammengewürfelter Truppe, der eigentliche Held avanciert natürlich erst während der von zahlreichen Gefahren bedrohten Reise zum wahren Heroen und das immer zu dem Zweck, die Regentschaft der bösen und dunklen Macht, die in keinem Fantasy-Universum fehlen darf, ein Ende zu setzen.

Aus diesen Vorgaben kann ein fähiger Geschichtenerzähler ein grandioses und zeitloses Abenteuer zusammenschustern und in diesen Gewässern möchte nun auch das neue Shyamalan-Werk mitschwimmen. Leider kann es sich kaum über das Wasser halten. Es funktioniert so gut wie gar nichts in dem ersten von den (natürlich) drei geplanten Kapiteln der großen „Avatar“-Geschichte. Gleich vorweg sei gesagt, dass die Bezeichnung „Avatar“ hier tatsächlich einen Sinn macht, da sie so verwendet wird, wie sie in der hinduistisch-buddhistischen Tradition auch bekannt ist. Wer blaue, drei Meter große Naturburschen erwartet, denkt da an einen anderen Film. Ein lakonisches Intro zu Beginn bringt uns den Sachverhalt näher: Die böse, böse Nation des Feuers terrorisiert die friedliebenden Nationen des Wassers, der Erde und der Luft. Einer muss ja der Böse sein!

Indirekt hat auch das Verschwinden des mythischen Avatars damit zu tun, der alle Elemente beherrscht und natürlich als Erhalter des Friedens auf Erden wandert. Doch eines Tages entdecken die junge Katara (Nicola Peltz) und ihr Buddy Sokka (Jackson Rathbone, „Twillight“) eine riesige Eiskugel, in welcher der junge Aang (Noah Ringer) und Appa, sein fliegendes Ungetüm mit sechs Beinen, seit 100 Jahren tiefgefroren auf Rettung warten. Nach deren Befreiung stellt sich schnell heraus, dass Aang der Avatar sein muss, und schon macht man sich auf dem Weg in die große weite Welt, um sie von der Tyrannei der Brandnation zu erlösen. Der verstoßene Feuer-Prinz Sukko (Dev Patel, „Slumdog Millionaire“) schaut nicht nur immer grimmig in die Kamera hinein, er versucht mit allen möglichen Mitteln den Avatar zu fangen, um von seinem Vater Ozai (Cliff Curtis) wieder anerkannt zu werden.

Lustloser hat man eine auf große Epik angelegte Geschichte erst vor kurzem nur in der Verfilmung des „Dragonball“-Kultes begutachten können. „Die Legende von Aang“ kann analog dazu als der bessere Streifen bezeichnet werden, doch als Kompliment sollte man dies nicht auffassen. Auch hier ist der Fortgang lieblos zusammengeschnitten, auch hier springt man von einem Setting zum nächsten, als lägen die ach so großen Ländereien der verschiedenen Nationen alle in einem Umkreis von ein paar Kilometern beieinander. Die schauspielerischen Darbietungen lassen auch einiges zu wünschen übrig, besonders negativ fällt da Noah Ringer auf, der sicherlich eher aufgrund seiner Martial-Arts-Kenntnisse besetzt wurde. Die Szene, in welcher der junge Mime eine heldenhafte Ansprache im „Braveheart“-Stil zum Besten gibt, gehört sicherlich zu den peinlichsten Momenten des Kinojahres 2010.

Ziemlich merkwürdig ist auch Dev Patels Darbietung, da er zum Teil nur verbissen dreinschauen muss, um dann noch etwas verbissen sagen zu dürfen. Als wäre das alles des Übels nicht genug, hat man in letzter Sekunde noch entschieden, den konventionell gedrehten Film ins mittlerweile unumgängliche 3D-Format zu konvertieren, mit demselben katastrophalen Ergebnis wie zuvor beim „Kampf der Titanen“. Wer sich die Schose trotzdem antun möchte, dann doch lieber im altmodischen 2D – an die erwähnten drei Meter großen blauen Naturburschen kommt (tricktechnisch) eben nichts heran. Höchstens urzeitliche Piranhas. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.

Wertung: (3 / 10)

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