10.000 BC (USA/RSA 2008)

10000bcRoland Emmerich verschlägt es in die Steinzeit. Oder so ähnlich. Dabei führte der neue Blockbuster des Schwaben-Spielbergs vorab in die Irre. Denn „10.000 BC“, so der Titel des von ihm mit-verfassten Opus, erweckte den Eindruck einer Tuchfühlung des prähistorischen Lebens, ganz im Stile von Annauds „Am Anfang war das Feuer“. Doch nicht mit dem „Independence Day“-Regisseur. Dessen Vision des Landes vor unserer Zeit folgt einem harmlosen Teenie-Märchen ins fantastische Genre und verquickt von „Conan – Der Barbar“ bis „Apokalypto“, was an Ideen gerade greifbar schien.

Kreativer Raubbau ist in Hollywood an der Tagesordnung. Für gewöhnlich aber beim Werk anderer. Nicht selten lässt Emmerichs fiktives Urzeit-Abenteuer Wehmut durchblicken. Danach, dass dies naive Parallelweltvölkchen in „Stargate“ anno 1994 einfach zu kurz kam. Das wird jetzt nachgeholt, wenn der mit mehr Glück als Verstand zur Hoffnung seines Stammes aufgestiegene Mammutjäger D´Leh (Steven Strait, „Der Pakt – The Covenant“) einen vermeintlichen Gott mit pyramidalen Allmachtsfantasien das Fürchten lehrt. Bloß gut, dass Englisch als Weltsprache schon damals den Umsturz wesentlich erleichterte.

Als Sklavenhändler neben fast allen Jägern des Gebirgsvolkes auch D´Lehs Liebste Evolet (Camilla Belle, „Unbekannter Anrufer“) verschleppen, macht sich der unerfahrene Jüngling mit Mentor Tic´Tic (Cliff Curtis, „Sunshine“) und weiteren Gefährten auf, die Stammesbrüder zu befreien. Neben allerlei rasch abgehandelten Gefahren – animierte Riesenvögel und der Säbelzahntiger bleiben lediglich flüchtiges Beiwerk – warten in fremden Landen auch neue Verbündete, die sich dem Kampf der Gerechten anschließen. Da trifft sich gut, dass irgendwie jeder Stamm seine ganz eigene Prophezeiung zu erfüllen hat.

Die nur wenig atmosphärische und arg vorhersehbare Leinwandbanalität verschenkt ihr Potential an die schleppende Inszenierung und das fade Drehbuch. Die oft schwülstigen Dialoge laden zum Schmunzeln ein, Omar Sharif („Doktor Schiwago“) langweilt als Erzähler mehr, als das er oder sein deutsches Pendant Armin Müller-Stahl („Die Manns“) von Nutzen für Film und Geschichte wären. Der Gipfel der Sinnlosigkeit aber ist die alte Schamanin von D´Lehs Stamm, die geistigen Auges über die Mission wacht und am Ende selbst eine der vielen Prophezeiungen zu ihrer Erfüllung verhilft.

Dazu kommt das naive Weltbild, bei dem den unterentwickelten (aber glücklichen) Naturvölkern die überlegene (aber durchweg böse) Hochkultur entgegen gestellt wird. Der Triumph der im Herzen reinen und durch technologischen Fortschritt unverdorbenen Widerständler liegt auf der Hand. Selbst die Computereffekte, eigentlich das Herzstück des Emmerich´schen Oeuvres, wirken, als wollten sie diesen moralisch simplen Kern durch mangelnde Überzeugungskraft stützen. Gravierend sind die Mängel nur aufgrund ihrer Vielzahl. Übrig bleibt kaum mehr als ein trivialer Mix aus Mythen und Fantasy.

Wertung: (4 / 10)

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