Frozen – Eiskalter Abgrund (USA 2010)

frozen-greenWer hätte das gedacht? Adam Green, der mit den beiden „Hatchet“ Filmen die Herzen der Slasher-Gemeinde im Sturm erobert hat, kann auch ohne Unmengen Kunstblut und Gummigekröse einen soliden abendfüllenden Genrebeitrag abliefern. Gut, das zentrale Motiv erinnert ziemlich an „Open Water“ – die Haie hat man natürlich gegen Wölfe austauschen müssen. Dennoch ist Green mit seinem Survival-Thriller „Frozen“ weit davon entfernt, nur als gewissenloser Plagiator stigmatisiert werden zu können.

Joe (Shawn Ashmore, „X-Men“), Dan (Kevin Zegers, „Dawn of the Dead“) und Freundin Parker (Emma Bell, „The Walking Dead“) können es nicht lassen. Obwohl dem Sesselliftmann der Feierabend zum Greifen nahe gerückt ist, überreden sie ihn nochmals auf den Berg fahren zu dürfen. Als der Mann aber von einem Kollegen erfährt, dass der Urlaub doch nicht geritzt ist und die Junggesellenfeier des Bruders ohne ihn stattfinden soll, verlässt er erzürnt seinen verantwortungsvollen Arbeitsplatz. Der Kollege deutet die Information, dass da oben noch drei Personen wären völlig falsch und schaltet die Maschine aus. Mit dem Ergebnis, das unsere drei Freunde rund zehn Meter über der Erde in ihrem Beförderungssessel stecken bleiben.

Da die Ski-Anlage erst nächsten Freitag wieder in Betrieb genommen wird, müssten sie ganze fünf Tage im Lift ausharren. Schnell liegen die Nerven blank und Dan wagt tatsächlich den Sprung aus der luftigen Höhe, um für seinen (ähhhm) Mut natürlich mit einer exorbitanten Torsionsfraktur beider Extremitäten belohnt zu werden. Dass er dadurch eine hungrige Wolfsmeute anlockt, rückt die Gesamtsituation nicht unbedingt ins bessere Licht. Die IMDb berichtet, dass bei der Premiere von „Frozen“ einige Zuschauer von Ohnmacht heimgesucht wurden und andere die Vorstellung weinend verlassen mussten. Nun, ob das wirklich so der Wahrheit entspricht, lassen wir mal so im Äther stehen. Doch durch das gelungene Schauspiel der drei Jungakteure kommt man nicht drumherum, mit ihnen zu fiebern.

Vom klassischen Genretypus – nervige Mittzwanziger, meist von talentlosen Knalltüten verkörpert – entfernen sie sich meilenweit. In der ersten Viertelstunde schafft es Green, die Charaktere als sympathische Zeitgenossen einzuführen, so dass sie uns nicht schon beim Vorspann mächtig auf die Nerven gehen. Auch wenn Zegers Charakter nicht davon abgehalten werden kann, an den dem gesunden Menschenverstand widerstrebenden Sprung aus der unglaublichen Höhe überhaupt auch nur zu denken. Doch bleibt dieser das durchaus glaubhafte Szenario untergrabende inszenatorische Fauxpas der einzige grobe Fehler.

Die Tatsache, dass Joe den Tod seines besten Freundes relativ schnell verkraftet, ist, die widrigen Umstände im Auge beibehaltend, fast verständlich. Der Film (nicht verwechseln mit dem Val Kilmer-Vehikel „The Thaw“, das hierzulande ebenfalls als „Frozen“ vermarktet wird) darf sich auch damit rühmen, dass er tatsächlich vor Ort gedreht wurde und die Schauspieler tatsächlich ständig in der eisigen Luft herumbaumelten. In Zeiten, in denen das Blue Screen Verfahren für den unnötigsten Krimskrams verwendet wird, ist das wirklich bemerkenswert. Ach ja, ein gewisser Kane Hodder wird auch für einige Augenblicke von der Kamera eingefangen! Den Horror-Fan wird es freuen.

Wertung: (7 / 10)

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