Die Herrschaft des Feuers (USA 2002)

die-herrschaft-des-feuersDrachen wird im modernen Kino kaum die Aufmerksamkeit entgegengebracht, die Fantasy-Stoff dieser Art im thematischen Grunde verdient hätte. Sicher gibt es Ausnahmen, von individueller Klasse sind diese aber nur selten geprägt. Eine qualitativ hochwertige Ausnahme bildet „Der Drachentöter” von 1981. Da kann Rob Cohens dröge Mär „Dragonheart” trotz guter Effekte nicht ansatzweise mithalten. Und über Courtney Solomons desaströsen „Dungeons & Dragons” hüllen wir besser ganz den Mantel des Schweigens. Kurzum: Drachen haben es schwer. Trotzdem scheinen einige gewiefte Produzenten die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, schließlich verhilft die immer ausgefeiltere Computertechnik selbst unlösbar scheinenden visuellen Vorstellungen in überschaubarem finanziellen Rahmen auf die Beine. Ein ansehnliches Beispiel bildet Rob Bowmans Endzeit-Fantasy-Spektakel „Die Herrschaft des Feuers”.

London zur heutigen Zeit. Ein Junge namens Quinn besucht seine Mutter an ihrem Arbeitsplatz, einer unterirdischen Baustelle zur Erweiterung des urbanen U-Bahn-Netzes. Bei den Grabungsarbeiten wird unerwartet ein schmaler Zugang zu einer düsteren Grotte freigelegt. Aufgrund seiner geringen Körpergröße wird Quinn vom ansässigen Bohrteam ausgesandt, die Höhle zu inspizieren. Doch plötzlich bebt die Erde, Schemen bewegen sich umher, während sich brennende Flüssigkeit von der Decke zu Füßen des Jungen ergießt. Bevor realisierbar wird, welche Kreatur durch die Grabungen aus ihrem jahrhundertelangen Schlaf geweckt wurde, verschlingt eine gewaltige Feuersbrunst den großteil der Arbeiter. Bei dem Versuch, den tödlichen Flammen zu entkommen, fällt auch Quinns Mutter der Bestie, die sich als waschechter Drache präsentiert, zum Opfer. Jahre später ist Quinn (Christian Bale, „American Psycho”) zum Manne gereift, gezeichnet durch den fortwährenden Kampf gegen die geflügelten Ungetüme, welche einst wie eine Plage über die Welt hereinbrachen.

Als finale Konsequenz zerstörte sich die Menschheit unter zuhilfenahme von Atomwaffen letztendlich selbst. Der Herrschaft der Drachen über die Erde tat dies indes keinen Abbruch. So fristet Quinn ein Dasein in ständiger Angst vor der tödlichen Bedrohung aus der Luft, mit zahlreichen Untergebenen (u.a. Gerard Butler, „Wes Craven präsentiert Dracula”) in einer befestigten Burgruine außerhalb Londons verschanzt. Ohne Nachrichten vom Rest der zerstörten Welt verstreichen die Tage, Lebensmittelknappheit macht sich breit. Da taucht plötzlich der amerikanische Soldat Van Zan (Matthew McConaughey, „Ed TV”) auf, Truppen, Artillerie und selbst einen Hubschrauber im Rücken. Mit diesen Gerätschaften vollbringt der beinharte Anführer das kaum für möglich gehaltene: Van Zan tötet Drachen. Jedoch scheint das Vorhaben, die vermutete Wurzel allen Übels im vollständig zerstörten London vorzufinden und ausmerzen zu können, als schiere Selbstmordmission.

Kulissen einer Welt am Abgrund, zerstörte Städte, wenige Überlebende. In düsteren Bildern zeichnet Rob Bowman, seines Zeichens Produzent, Autor und Regisseur unzähliger Folgen der Mystery-Kult-Serie „Akte X” sowie deren Kinoableger „Akte X – Der Film”, das Bild einer apokalyptischen Zukunft. Der Mensch hält längst nicht mehr das Zepter in der Hand, Krone der Schöpfung ist eine andere Spezies. Es lässt sich kaum ermessen, was man aus diesem Stoff alles hätte zaubern können, doch wie so oft gaben sich die Produzenten des Spektakels mit der typisch-amerikanischen Erzählweise ohne Substanz oder Kontur zufrieden. An Bowmans Inszenierung liegt dies gewiss nicht, dem Regisseur gelingt es trotz erschreckender Einfältigkeit den Betrachter über weite Strecken zu fesseln. Die eklatanten und rasend schnell erkennbaren Mängel von „Die Herrschaft des Feuers” liegen vielmehr im löchrigen Skript. Dieses übergeht wissenschaftliche Gesichtspunkte ebenso konsequent wie eine Vertiefung der Entwicklung der Erdentvölkerung durch die Heerscharen der Drachen und verstrickt sich in sparsam gestreute Dialoge von der Stange.

Das obendrein auch die Logik nicht gerade Pate bei der Umsetzung der Geschichte stand, lässt „Die Herrschaft des Feuers” kaum zum Versammlungsort intellektueller Filmliebhaber gereifen. Doch all diesen Negativelementen zum Trotz weiß Bowmans Film zu unterhalten, neben der stimmigen Atmosphäre in der Hauptsache den ansprechenden Akteuren und den perfekt animierten Ungeheuern zuzuschreiben. Im Gefüge der Hauptakteure überzeugt vor allem Christian Bale als Anführer mit Hang zur Vernunft. Gegenspieler Matthew McConaughey agiert in der Rolle des toughen Soldaten hingegen dezent übersteigert, wofür allerdings manch vor Pathos triefende Ansprache und das Gehabe des ewig überlegenen Amerikaners die Verantwortung trägt. Im Machtgerangel der beiden Protagonisten verkommt Darstellerin Izabella Scorupco („GoldenEye”) lediglich zur Quotenfrau.

So ist „Die Herrschaft des Feuers” ein passagenweise recht fad geratener Fantasy-Actioner, der trotz erheblicher Abstriche bei Dialogen und Handlung durch hervorragende Effekte und stimmige Atmosphäre zu gefallen weiß. Diese Unausgegorenheit sorgte im Herstellungsland Amerika jedoch dafür, dass der Film bei 90 Millionen Dollar Produktionskosten an den Kinokassen lediglich knapp die Hälfte wieder einfahren konnte. Im Vergleich zu ähnlichen Werken ein Stück hervorstechend, ist der Streifen letztlich aber nur den Zuschauern nahezulegen, die sich auf Stoff wie diesen einzulassen wissen.

Wertung: (6 / 10)

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