Wir waren Helden (USA/D 2002)

wir-waren-heldenAn diesem Film scheiden sich die Geister. Für die einen ist „Wir waren Helden“ der beste Anti-Kriegsfilm der letzten 20 Jahre, für die anderen das genaue Gegenteil. Ich tendiere auf jeden Fall zu zweiter Kategorie, denn was Hollywood hier fabriziert hat, macht teilweise einfach nur wütend. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, nämlich der ersten Bodenschlacht des Vietnamkrieges im Ia Drang Tal des Jahres 1965. Dort landeten ca. 400 GIs, um die dort ansässigen feindlichen Truppen zu eleminieren. Doch die Lage sah anders aus als man sie erwartet hatte und so standen Lt. Colonel Hal Moore (Mel Gibson) und seinen Leuten weitaus mehr Feinde gegenüber, als ihnen lieb war und das ganze endete in einem Massaker.

Wie schon in „Black Hawk Down“ wurde auch hier lediglich eine einzige Schlacht ausgewählt. Dass sich Hollywood nach dem 11. September 2001 patriotisch zeigt, haben wir schon anhand anderer Filme gesehen, doch noch nie so dermaßen verlogen wie es in „Wir waren Helden“ der Fall ist. Der Film strotzt nur so vor menschenverachtender Handlungen und Äußerungen und die Dreistigkeit, mit der ein Angriff bzw. Krieg gerechtfertigt wird, lässt einem glatt die Kotze hochsteigen. Der Film beginnt in der Heimat und leitet die Akteure, die später in die Schlacht ziehen, mitsamt ihren Familien ein. Ganz oben steht Lt. Colonel Hal Moore (Mel Gibson), der mit seinen sechs Kindern und seiner Frau ein bis dato geregeltes Soldatenleben führt. Bereits zu Beginn erklärt Moore seiner Filmtochter die Gründe für Daddys Weggang vom heimischen Herd in den feindlichen Dschungel: „Manchmal wollen böse Männer in anderen Ländern andere Menschen umbringen und dann müssen Leute wie dein Daddy dahin, um sie aufzuhalten.“ Das sollte doch eigentlich schon reichen und ich muß nicht mehr erzählen, oder?

Solch peinliche Griffe ins (patriotische) Klo erlaubt sich der Film aber zuhauf und vor allem Mel Gibson, der schon mit „Der Patriot“ einen eigentlich kaum verzeihlichen Ausrutscher in seiner jüngeren Karriere hingelegt hat, übertrifft sich in fast jeder Szene selbst. In rein negativer Hinsicht. So kloppt der gute Mann einen Spruch nach dem anderen auf Helden- und Soldatentum, preist dabei sich, seine Leute und sein Land und steht wie ein Fels in der Brandung. Hoffentlich kommt Gibson wieder zur Besinnung und macht um solche Filme demnächst einen großen Bogen. Eine ähnlich unsymphatische Rolle spielt der alte Haudegen Sam Elliott („Road House“), der wie Gibson zu den härtesten Soldaten zählt, die die Welt je gesehen hat. Ebenfalls im Dschungel treiben sich namhafte Mimen wie Chris Klein („American Pie“) oder Greg Kinnear („Nurse Betty“) rum, wobei zumindest Klein das Glück hat, durch Kugeln den Ausgang des Films nicht miterleben zu müssen.

Doch nicht nur der Dschungel ist Schauplatz des Krieges, auch zu Hause gibt es Opfer. So verteilen die zurückgelassenen Mütter und Frauen der Soldaten die Trauerkarten, wenn jemand mal wieder ins Gras gebissen hat. Oberschwester des Ganzen ist, wie es nicht anders zu erwarten war, Gibsons Ehefrau Madeleine Stowe („Der letzte Mohikaner“). Herzergreifend das Ganze. Über die Darstellung der vietnamesischen Soldaten muss man nicht viel sagen, denn eigentlich gibt es sie gar nicht. In den unterirdischen Höhlen werden kurz neue Strategien gegen die US-Soldaten ausgetüftelt und einer darf sogar eine Brille tragen und ein Bild seiner Freundin bei sich haben. Das soll wohl zeigen, dass auch der Feind „menschlich“ ist, obwohl gerade der Anfang in eine völlig andere Richtung hinzielt und diesen eher als Schlächter darstellt. Das legitimiert dann auch, dass Gibson den Bebrillten mit einem gezielten Schuss in den Kopf tötet, bei dem in Zeitlupe das Hirn nach hinten spritzt.

Was diese und weitere Szenen angeht, so gibt es sie allerdings nur in der Originalfassung zu sehen, denn selbst einigen Leuten bei der FSK schien dieser Schrott zu heikel und so kürzte man satte 12 Minuten aus dem Film heraus. Darunter befinden sich einige Gewalttaten, aber auch einige dumpfe Sprüche von Feldherr Gibson. Selbst die Soldaten, die nur noch wenige Sekunden zu leben haben, reißen blutüberströmt noch die peinlichsten Patriotismus-Bekundungen. Die Schlachtszenen sind zwar routiniert in Szene gesetzt, doch das kann einfach nicht über die Verlogenheit, die dieser Film ausstrahlt, hinwegtäuschen. „Wir waren Helden“ ist alles andere als ein Anti-Kriegsfilm, vielmehr könnte man ihn auch gut in den Schulen der USA als Propagandafilm laufen lassen, die Zuwanderungsraten der Army würden sicherlich steil nach oben gehen. George W. Bush hat sicherlich feuchte Augen bei diesem Schund bekommen, aber schlimmer als hier geht es nun wirklich kaum.

Wertung: 2 out of 10 stars (2 / 10)

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