Death Trance (J 2005)

death-trance„Death Trance“ ist nicht die Fortsetzung zu „Versus“. Zwar wird er oft als Sequel zu Ryuhei Kitamuras launig krudem Fantasy-Splatter gehandelt, die Gemeinsamkeiten beider Filme sind aber nur marginal. Sie teilen den Kampf Gut gegen Böse mit kaum auszumachenden Frontlinien. Und die maßlos überzogenen, beim vermeintlichen Nachfolger meist unblutigen Actioneinlagen. Dazu Hauptdarsteller Tak Sakaguchi („Azumi“), der hier auch die Inszenierung der Kampfszenen besorgte. Diesen Part erfüllte Regisseur Yuji Shimomura unter anderem bei Kitamuras „Aragami“ – und eben jenem „Versus“. Der Kreis mag sich schließen. Zur Fortsetzung wird „Death Trance“ darüber trotzdem nicht.

Sakaguchi ist Grave. Der macht es wie einst Django und zieht einen Sarg hinter sich her. In diesem allerdings befindet sich kein Maschinengewehr, sondern die Überreste einer mächtigen Göttin. Der versierte Kämpfer ist ein ewiger Gefahrensucher. Der Reiz der ultimativen Herausforderung ließ ihn den Leichnam aus einem Tempel entwenden. Weil die Erweckung des zerstörungsfreudigen Überwesens die Erfüllung jeglicher Wünsche verheißt, ruft Graves Raub Missgünstlinge auf den Plan. Also wird gekämpft. Pausenlos. Um die Befriedigung von Sehnsüchten und die Zukunft der Menschheit. Denn das Öffnen des Sarges bedeutet das Ende der Welt.

Nicht, dass diese ohnehin am Arsch wäre. In einer wüsten postapokalyptischen Zukunftsvision werden Wahn und Wirklichkeit zur Realität. Elemente des klassischen japanischen Samuraifilms münden in Endzeitspektakel á la „Mad Max“. Da wird mit Schwert und Panzerfaust gekämpft, mit dem Motorrad durch mittelalterliche Landschaften gebraust und modisch grotesker Designerzwirn aufgetragen. Der Stil überragt die Subtanz. In Filmen wie diesen ist das gewünscht. Sinn muss das dargebotene keinen ergeben. Hauptsache es sieht gut aus und ist optisch auf der Höhe der Zeit.

Die Darsteller sind nur Marionetten der Kurzweil. Sie haben nichts von Bedeutung zu sagen, also müssen Taten, mehr noch Waffen sprechen. Dazu Heavy Metal, der die Übertreibung der rückständischen Zukunft komplettiert. Die Action ist rasant, Schnitt und Kamera von gebotener Stilisierung getrieben. Und weil dies Konzept keine Handlung erfordert, gibt es auch keine. Stattdessen bietet „Death Trance“ rastloses Kräftemessen mit einem guten Schuss Absurdität. Wer keinen Tiefsinn in filmischer Unterhaltung sucht, wird bestens bedient. Nicht eben geistreich, dafür schwer unterhaltsam.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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