Devil (USA 2010)

devil„When he’s near, everything goes wrong. […] Sometimes he takes human form and torments the damned on earth before stealing them away.“ – Ramirez

Der tiefe Fall des M. Night Shyamalan („Die Legende von Aang“) ist vorläufig aufgehalten. Dafür musste der ehedem als Wunderkind des Grusel-Thrillers gefeierte Filmemacher einfach auf Regie- und Autorenposten verzichten und sich stattdessen mit Story-Beschaffung und Produzenten-Credit begnügen. Seine Handschrift trägt „Devil“, der Auftakt einer unter dem Titel „The Night Chronicles“ firmierenden Trilogie, dennoch. Im Guten wie im Schlechten. Das Erfreuliche aber zuerst: Der Name Shyamalan steht wieder für effektiv reduzierten Schrecken mit Gänsehautgarantie.

Die von John Erick Dowdle („Quarantäne“) in angenehm kurzweiligen 73 Minuten abgehandelte Geschichte setzt allerdings mit aufdringlicher Vehemenz auf religiöse Motive. Shyamalans Werke zeugten bereits in der Vergangenheit von affektiertem Subtext zwischen Vorsehung („Signs“) und Erlösermysthik (in „Das Mädchen aus dem Wasser“ stilisierte er sich gleich selbst zum Weltenretter). Den Part des im Off bigotte Begleiterklärungen absondernden Ramirez hätte er früher wahrscheinlich selbst gespielt. Hier jedoch geht er an Jacob Vargas („Death Race“), der, so will es schließlich auch der Titel, von wahrhaft teuflischem treiben zu berichten weiß.

Fünf Menschen, darunter Logan Marshall Green („Gesetz der Straße“) und Bokeem Woodbine („Crime is King“), stecken in einem Fahrstuhl fest. In der Sicherheitszentrale des Hochhauses, wo der gläubige Ramirez mit einem Kollegen Dienst schiebt, glaubt man an einen technischen Defekt. Doch immer wenn das Licht in der engen Kabine erlischt, verdichten sich die Vorzeichen einer tödlichen Gefahr. Polizist Bowden (Chris Messina, „Away We Go“), den ein Suizid in das Gebäude führt, glaubt an kriminelles Handeln der auf ihre Weise allesamt verdächtigen Eingeschlossenen. Besser weiß es nur Ramirez, der Bowden von der eigenen Hilflosigkeit zu überzeugen versucht.

In konstant angezogenem Tempo wechselt Dowdle zwischen der Perspektive im Fahrstuhl und der im Kontrollraum hin und her. Die Ausgestaltung der Figuren, das Schüren von Konfliktpotentialen und die Verknüpfung der einzelnen Schicksale sind dabei weder durchschlagend originell noch bahnbrechend nervenzerrend. Trotzdem entfaltet das von Tak Fushimoto („Das Schweigen der Lämmer“) bestechend fotografierte Horror-Kammerspiel eine beachtliche Wirkung und hält diese bis zum sympathisch zurückhaltenden Finale aufrecht. Der klaustrophobische, gut getimte Schocker macht damit trotz seiner Schwächen Lust auf die Fortsetzung der „Night Chronicles“ – und dient Shyamalan hoffentlich als Anreiz, auch die eigenen Werke zukünftig wieder mehr auf das Wesentliche zu beschränken.

Wertung: (6,5 / 10)

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