Der Tag, an dem die Heuschrecken kamen (USA 1974)

der-tag-an-dem-die-heuschrecken-kamenUnerschütterliche Optimisten sehen in jedem noch so niederschmetternden Schicksalsschlag eine Chance. Gefallen dürfte ihnen darum das naive TV-Drama „Der Tag, an dem die Heuschrecken kamen“ (Alternativtitel: „Die Heuschrecken“), in dem ein vom strengen Vater entfremdeter Sohn erst durch Wagemut im Augenblick höchster Not Liebe und Respekt erfährt. Unter dieser Prämisse – und erst recht der altbackenen Inszenierung Richard T. Heffrons („Futureworld“) – hätte der Film perfekt ins piefige soziale Milieu der Neunzehnfünfziger gepasst. Tatsächlich aber entstand die von konservativen Wertvorstellungen durchzogene Familiengeschichte in den frühen Siebzigern.

Montana, 1943: Weil er nach dem Gefechtstod eines Freundes durchdrehte, wird der junge Pilot Donald Fletcher (der später Oscar-prämierte Erfolgsregisseur Ron Howard, „A Beautiful Mind“) aus der Navy entlassen. Die Nachricht seines unehrenhaften Ausscheidens aus dem Kriegsdienst hat sich in der ruralen Gemeinschaft schnell herumgesprochen, so dass Donald als Feigling verschrien zum Außenseiter wird. Auch Vater Amos (Ben Johnson, „Mörderbienen“) sieht die Ehre von Familie und Uniform entehrt. Nur Mutter Claire (Katherine Helmond, „Brazil“) und Schwester Sissy (Lisa Gerritsen, „Airport“) zeigen Verständnis.

Neben der Enttäuschung über das Scheitern des Sohnes treibt Landwirt Amos die Auswirkung des heißen Sommers um. Verzweifelt warten die Farmer der Region auf Regen und werden durch die Nachricht einer umliegende Ländereien verwüstenden Heuschreckenplage zusätzlich entmutigt. Als ein Schwarm der gefräßigen Insekten näher kommt, treten nicht wenige Familien die Flucht an. Amos aber beschließt zu bleiben und setzt seine Hoffnung auf den einzigen Sprühpiloten der Gegend. Als der aber über die Nachricht, sein Sohn wäre im Krieg gefallen, Selbstmord begeht, besteigt Donald kurzerhand die Maschine.

Der Mix aus Katastrophenfilm und Familiendrama entspinnt sich so vorhersehbar wie klischeehaft. Vor dem Scheitern bewahrt wird der Stoff allein durch die souveränen Darsteller. Während Hollywood-Veteran Johnson als grantiger Patriarch aber die überzeugendste Vorstellung abliefert, bleibt der junge Howard, dessen Donald nur in den Krieg zog, um den Wertevorstellungen des Vaters zu genügen, weitgehend blass. Als beschwörender Strich unter die Nachrichten der nahenden Heuschrecken dienen Großaufnahmen der ganze Felder kahl fressenden Tiere. Ein letztlich passabler, insgesamt aber schlicht viel zu altbackener Film.

Wertung: (4 / 10)

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