Daylight (USA 1996)

daylightLicht am Ende des Tunnels gibt es für die Protagonisten in Katastrophenfilmen immer. Wer will schon mit Figuren leiden, deren Schicksal längst besiegelt ist? Es ist der Schein, der die Spannung bringt, die Bewältigung des Unmöglichen. Das gilt natürlich nicht für Sylvester Stallone, der während des kurzzeitigen Endneunzigerbooms ausbrechender Vulkane und zerstörerischer Asteroiden selbst für solch überholtes Genrekino eingespannt wurde. Zwar kommt „Daylight“ den Klassikern näher als die Konkurrenz, dem aufbrausenden Klischeegewitter aber ist auch der größte Star nicht gewachsen.

Allein der Vorlauf, der zum Einsturz und der (späteren) Überflutung des Verbindungstunnels zwischen New York und New Jersey führt, ist über alle Maßen an den Haaren herbeigezogen. Weil drei Punks eine Luxuslimousine kapern (!) und auf der waghalsigen Flucht durch besagten Tunnel (!!) direkt in einen Gefahrguttransporter krachen (!!!), nimmt das Dilemma im Feuerschein einer verheerenden Explosion seinen Lauf. Zu beiden Seiten stürzt die Decke ein und stempelt die Eingeschlossenen zu Leidensgenossen. Bloß gut, dass sich Taxifahrer Latura (Stallone), ehemals leitender Rettungssanitäter, in die Tiefe vorkämpft.

Von der Außenwelt abgeschnitten sucht das Rudel standardisierter Charaktere – von der unlängst wiedervereinten Familie über die erfolglose Theaterautorin (Amy Brenneman, „Heat“) bis zum schnöseligen Extremsportler (Viggo Mortensen, „Herr der Ringe“) – nach einem Ausweg. Der Kampf ums Überleben ist hart. Wer ihn gewinnt, liegt ebenso auf der Hand wie das Versagen der Fachkräfte an der Oberfläche (u.a. Dan Hedaya, „Blood Simple“). Auf sich allein gestellt, arbeiten sich die Eingeschlossenen unter Laturas Führung Stück für Stück dem Ausweg entgegen.

„The Fast and the Furious”-Regisseur Rob Cohen bedient die volle Spanne an Vorhersehbarkeit und – zugunsten bemüht spektakulärer Actionszenarien – Unlogik. Auch das menschliche Drama darf natürlich nicht zu kurz kommen, verkommt aufgrund der mangelnden Glaubwürdigkeit aber zur Katastrophen-Daily Soap mit Happy End-Garantie. Selbstredend rettet Sly sich und den Tag, nicht aber seine gebeutelte Karriere vor dem endgültigen Abdriften in die Beliebigkeit. Einen Gefallen hat er sich mit diesem Film sicher nicht getan. Dem Zuschauer übrigens auch nicht. Zumindest dann nicht, wenn dieser auf mehr aus ist als stumpfes Hollywood-Brimborium.

Wertung: (4 / 10)

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