Class of 1999 – Die Klasse von 1999 (USA 1990)

classof1999In Mark L. Lesters kontroversem Thriller „Die Klasse von 1984“ wurde Gewalt als einzige Antwort auf Gewalt propagiert. Im Brennpunkt stand eine brutale Schülerbande, die durch das Eingreifen eines couragierten Lehrers letztlich zur Strecke (und ums Leben) gebracht wurde. Der Stallgeruch von Exploitation und reißerisch reaktionärer Stimmungsmache hebelte die (stets aktuelle) Diskussion um Jugendverrohung und moralische Enthemmungstendenzen aus. Der Film blieb Sleaze in Reinkultur, hat sich seinen berüchtigten Ruf aber bis ins neue Jahrtausend hinein bewahrt. Eine vage Fortsetzung besorgte Lester, der das Actionfach um Kaliber wie „Phantom Kommando“ und „Showdown in Little Tokyo“ bereicherte, acht Jahre später.

Der pessimistisch prophetische Blick in die Zukunft – das Original entstand 1982 – wird dabei im sinne der Science-Fiction wörtlich genommen. Auf potenzielle politische Statements verzichtet Produzent und Regisseur Lester bei „Die Klasse von 1999“ aber ganzheitlich. Der fetzige B-Film wurde Zeit seiner Entstehung müde belächelt, hat sich im Laufe der Zeit aber zum handfesten Trash-Klassiker gemausert. Der Entwurf des wehrhaften Sozialpädagogen wird dabei auf die Spitze getrieben, wenn drei Kampfroboter in Menschengestalt zu Lehrkräften berufen werden. Auf Ungehorsam und mangelnde Disziplin reagieren die Cyborgs mit grober Härte. Aber anders ist den bewaffneten Gangs im Sperrbezirk der Kennedy High School in Seattle ohnehin nicht beizukommen.

So herrlich absurd wie die Kernidee ist auch deren erzählerische Ausschmückung: Ende der Neunzehnneunziger hat die Gewalt an amerikanischen Schulen ein solch bedenkliches Niveau erreicht, dass die Distrikte um die Lehranstalten herum zu rechtsfreien Zonen (!) erklärt wurden. Gepanzerte Schulbusse eskortieren die Schutzbefohlenen durch futuristische Ghettos mit Endzeit-Chic in die Penne, wo rivalisierende Banden um die Vorherrschaft streiten. Warum überhaupt noch jemand zur Schule geht bleibt offen. Aber irgendwo müssen die juvenilen Rinnstein-Rambos ja die Zeit totschlagen. Direktor Langford (unterforderte Randfigur: Malcolm McDowell, „Uhrwerk Orange“) jedenfalls verwaltet den bildungskulturellen Niedergang so gut es geht.

Die Lösung verheißt Dr. Forrest (mit grellen Kontaktlinsen und Prollo-Pferdeschwanz: Stacy Keach, „Long Riders“), Vorsprecher eines militärischen Technologie-Konzerns und Entwickler besagter Robo-Pauker. Und weil die von Patrick Kilpatrick („Cyborg Cop 2“), Blaxploitation-Ikone Pam Grier („Foxy Brown“) und John P. Ryan („Delta Force 2“) gespielt werden, ist ausreichend einsatzfreudiges Spiel garantiert. Da die Schüler mit Respektspersonen aber so ihre Probleme haben, wechseln die Cyborgs im obligatorischen subjektiven Terminator-Sichtfenster in den Bestrafungsmodus. Wenn der wie immer wonnige Ryan stoischer Miene zwei Rüpel übers Knie legt und ihnen vor versammelter Klasse die Ärsche versohlt, bleibt garantiert kein Auge trocken!

Der frisch aus dem Knast entlassene Cody (Bradley Gregg, „Nightmare 3“) will es im Gangzirkus erst einmal ruhig angehen. Mit Christie (Traci Lind, „Fright Night 2“), der kreuzbraven Tochter des Rektors kommt er den mordenden Maschinenmenschen aber bald auf die Schliche. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, zetteln die außer Kontrolle geratenen Kampfroboter schließlich einen verlustreichen Bandenkrieg an und dürfen im zünftigen Showdown gleich noch ein paar eingebaute Waffensysteme präsentieren. Trotz flachen Mittelteils ist der prominent besetzte B-Ramsch herrlich überzogen und von netten Ideen sowie possierlichen Effekten durchzogen. Die irrwitzige, sich selbst nicht sonderlich ernst nehmende Tour de Trash drückt mit knackigem Actionanteil und gesunder Härte gehörig aufs Tempo. In der Summe ergibt das Quatsch mit Blutsoße und enormem Spaßpotenzial.

Wertung: (6,5 / 10)

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