Bone Tomahawk (USA 2015)

bone-tomahawkBei Menschenfressern im Western-Ambiente durfte man bisher vorrangig an Antonia Birds „Ravenous“ (1999) denken, in dem Robert Carlyle und Guy Pearce nachhaltig die Veganer-Front stärkten. Die Ankündigung von „Bone Tomahawk“ ließ einen ähnlich entarteten Genre-Mix erwarten. Nur dachte Regie-Debütant, Autor und Komponist S. Craig Zahler nicht im Traum daran, der Exploitation-Klientel ein simples „Cowboys vs. Kannibalen“-Schlachtfest aufzutischen. Trotz der Einflechtung von Horror-Elementen zeichnet sein unabhängig produziertes Werk eine ruhig erzählte, unterschwellig skurril gefärbte Reise ins Herz der Wildwest-Finsternis nach. Jedermanns Sache ist das garantiert nicht. Aber die Geduld zahlt sich aus.

Dabei scheint der Auftakt die ursprüngliche Erwartung zu stützen, wenn sich David Arquette (als Darsteller an besagtem „Ravenous“ beteiligt) und Sid Haig („The Devil’s Rejects“) als Wegelagerer der Leichenfledderei hingeben, ehe sie in den nahen Hügeln von dunklen Schemen attackiert werden. Darauf blickt Zahler in ein kleines Westernstädtchen im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet, das Ende des 19. Jahrhunderts stellvertretend für die schrittweise Überwindung des klassischen Bildes von endloser Prärie und anarchistischer Gesetzlosigkeit steht. Dorthin verschlägt es Arquettes Mörder, nachdem er in der Dunkelheit außerhalb der Ansiedlung Beute vergraben hat. Ersatz-Deputy Chicory (Richard Jenkins, „Burn After Reading“) nimmt davon Kenntnis und geht der Sache mit Sheriff Hunt nach.

Der wird von Alt-Star Kurt Russell verkörpert, der den für Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ erforderlichen Backenbart adäquat zweitverwerten konnte. Im Saloon wird der Verdächtige mit einer Kugel im Bein bedacht. Das erfordert den Einsatz von Medizinerin Samantha (Lili Simmons, „Banshee“), der Frau des nach einem Sturz am Bein lädierten Rinderbarons Arthur (Patrick Wilson, „Insidious“). Nur ist die samt Häftling am folgenden Morgen verschwunden. Ein ausgeweideter Toter und das Wissen eines Indianers (spielte mit Wilson in der zweiten Staffel von „Fargo“: Zahn McClarnon) um die Existenz der Troglodyten lässt Hunt einen Rettungstrupp zusammentrommeln. Dem schließt sich neben Arthur und Chicory der passionierte Indianerjäger Brooder (Matthew Fox, „Lost“) an. Was folgt ist… zunächst wenig.

S. Craig Zahler illustriert die Reise der überraschend kultiviert auftretenden Figuren als eigenwillig dialogintensiven Männertrip. Der in den geschliffenen Konversationen transportierte Humor erinnert an die Coen-Brüder, die klassischem Genrekino mit „True Grit“ eine ähnlich verschrobene Abfuhr erteilten. Mit dem Unterschied, dass „Bone Tomahawk“ im Schlussakt punktiert deftige Gewaltspitzen auffährt, deren krasseste – die Zerteilung eines Menschen – an die italienischen Mondo-Exploiter der 70er erinnert. An vordergründigen Gemetzeln ist den Machern trotzdem nicht gelegen. Die Einblicke in die archaische Kultur der Höhlenbewohner bleiben so unspektakulär wie der finale Überlebenskampf sowie der von Pferderaub und mexikanischen Pistoleros überschattete Reiseverlauf. Konventionell ist der entschleunigte, glänzend besetzte 130-Minüter keineswegs – unbedingt sehenswert hingegen schon.

Wertung: (7,5 / 10)

scroll to top