The Incident (F/B/USA 2011)

the-incident-2011Der Einstieg vieler Videoclip-Regisseure in die Welt des Films erfolgt über Genre-Werke. Als adäquates Trittbrett erweisen sich dabei Insbesondere Horror-Stoffe. So auch beim Franzosen Alex Courtés, der in der Vergangenheit u.a. mit den White Stripes (bei „Seven Nation Army“) und U2 zusammengearbeitet hatte. Mit „The Incident“, seinem 2011 binnen vier Wochen für weniger als zwei Millionen Dollar gedrehtem Spielfilmdebüt, zollt er der alten Schule des Terror-Thrillers Tribut. Das Drehbuch schrieb S. Craig Zahler, der mit „Bone Tomahawk“ 2015 eine vielbeachtete Symbiose aus Western und Kannibalenfilm vorlegte. Alleine das sollte Freunden des Sujets, die der Existenz von Courtés Streifen bislang unkundig blieben, Reizpunkt genug sein.

Der fiese kleine Schocker, zu dem der ehemalige Grafiker Courtés auch das Poster und die Titel-Typo beisteuerte, blickt zurück ins Jahr 1989. Ausgekostet wird das Zeitkolorit dabei nicht. Die Ausstattung der kargen Kulissen erlaubt die periphere Einbindung altmodischer Kleidungsstücke oder Geräte, trübt aber nicht den Blick für das Wesentliche: die Entwicklung der minimalistischen Geschichte. Die spielt in der Hauptsache im Sans Asylum in Washington State, einer heruntergekommenen Anstalt für psychisch gestörte Straftäter. In der Küche des schmucklosen Komplexes arbeiten die Freunde George (Rupert Evans, „Hellboy“), Max (Kenny Doughty, „The Crew“) und Ricky (Joseph Kennedy, „Gozo“), die zusammen in einer Rockband spielen.

Sie bereiten das Essen für die Insassen vor und servieren es durch eine Plexiglasscheibe. Als während eines Unwetters im Gebäude der Strom ausfällt und die Eingesperrten zu revoltieren beginnen, versuchen die Freunde dem aufziehenden Massaker mit Koch William (Marcus Garvey, „Wolfblood“) zu entkommen und die Behörden zu verständigen. George glaubt in Harry Green (gab in „Batman Begins“ den Mörder von Bruce Waynes Eltern: Richard Brake) den Auslöser für den Aufstand der Häftlinge ausgemacht zu haben, die unbemerkt ihre Medikamente verweigerten und damit zur unberechenbaren Gefahr werden. Während sich Ricky in einem Kühlraum verschanzt, begeben sich die anderen auf die Suche nach einem Telefon.

Bereits in der Einleitung beschwört Alex Courtés eine unbehagliche Atmosphäre herauf. Synthie-Score, Setting und Zuspitzung erinnern an John Carpenters „Assault on Precinct 13“, die klassische Färbung des Exploiters nährt samt 70’s-Flair eine (gewisse) Unvorhersehbarkeit, die sich nicht an gängigen Klischees abarbeitet und verstörende Nuancen pflegt. Heftig geht es dabei zwar bisweilen zu, in Sachen Gewalt halten sich die Macher entgegen zeitgenössischer Explikation aber wohltuend zurück. Allerdings entfaltet das Traktat des Körpers mit Zähnen, Gemüseschäler oder Gasherd auch hier seine schaurige Wirkung. Die überschaubaren Möglichkeiten schöpft Courtés abseits kleinerer Längen ansprechend aus. Dass der gut gespielte Film nicht immer logisch erscheint und mit dem finalen Twist Fragen aufwirft, die im Grunde kaum notwendig gewesen wären, bleibt daher insgesamt verzeihlich.

Wertung: (6 / 10)

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