Anatomie (D 2000)

anatomieEs dauerte bis zur zweiten großen Welle des Slasherfilms, ehe sich auch deutsche Filmemacher für das Genre der psychotischen Mörder zu interessieren begannen. Der größte und zugleich einzige Kinoerfolg blieb dabei „Anatomie“ vorbehalten, den der Österreicher Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) als medizinischen Thriller mit Horroranleihen aufzog. Den klassischen amerikanischen Wurzeln will die Geschichte um Anti-Hippokraten an der Universität Heidelberg nicht zwingend gerecht werden. Es sind eher Werke wie „Fleisch“ oder „Coma“, die dem Plot um entgrenzte Medizinermoral als Inspirationsquell dienten.

Kassenträchtigem Mörderraten inklusive Schock-bewährten Todeskämpfen öffnet sich der Film trotzdem. Dem mit „Scream“ losgetretenen Hollywood-Trend durfte man sich schließlich nicht vollends verweigern. In der Hauptrolle wird Franka Potente („Lola rennt“) als beflissene Medizinstudentin Paula nach Heidelberg berufen, was dem Vater, dessen Praxis die junge Frau eigentlich übernehmen sollte, mächtig stinkt. In diesen charakterliche Hintergründe auslotenden Passagen wirkt der Plot typisch deutsch. Dialoge werden theatralisch aufgesagt, die Milieus wirken hausbacken und bieder.

Allerdings dreht Ruzowitzky versiert an der Spannungsschraube, wenn ein unbekanntes Mediziner-Duo im ansehnlich abfotografierten Heidelberg in verwerflicher Manier die Skalpelle schwingt. Ahnungslose Opfer werden – beizeiten noch bei Bewusstsein – in anatomische Schaustücke verwandelt, die sichtlich von Exponaten aus Gunter von Hagens umstrittener „Körperwelten“-Ausstellung inspiriert sind. Hofiert werden so aber effektvolle Grausamkeit und makabre Mordlust. Nur wird der übergeordnete Aspekt um die Anti-Hippokraten, der Paulas Spurensuche reizvoll anheizt, im Schlussdrittel zugunsten einer klassischen Slasher-Klimax ausgeräumt.

Die Besetzung hat mit Benno Fürmann (spielte mit Potente auch in „Der Krieger und die Kaiserin“), Anna Loos („Das Wunder von Berlin“) und Sebastian Blomberg („Die Gräfin“) vielversprechende Darsteller zu bieten. Loos’ dralle Intelligenzbestie ist dabei aber mehr Klischee als notwendig und die Hintergründe um Blombergs tölpelhaften Caspar wirken doch arg konstruiert. Der Rest ist entweder Opfer oder Täter, wobei der offensichtlichen Beteiligung des einen die fast zu beiläufige Identifizierung des anderen nachsteht. Clever ist „Anatomie“ nur selten, dafür in steril pathologischem Ambiente aber stimmig inszeniert. Für die Ewigkeit ist der dezent unausgegorene Thriller-Mix sicher nicht. Stimmungsvolle Momente sind aber auch mehr als zehn Jahre nach der Herstellung noch garantiert.

Wertung: (6,5 / 10)

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