3 From Hell (USA 2019)

„Hello America. Did you miss me?“ – Otis

Das Gesetz der Serie schert sich nicht um Logik. Erst recht nicht im Segment des Horrorfilms. Erzählerisch erscheint jedes noch so alibihafte Mittel probat, um den (oder die) Killer erneut zur blutigen Tat schreiten zu lassen. Einen dritten Auftritt der Familie Firefly hätte nach dem Finale des „House of 1000 Corpses“-Sequels „The Devil’s Rejects“ (2005) wohl niemand erwartet. Schließlich wurden Otis (Bill Moseley, „The Texas Chainsaw Massacre 2“), Baby (Sheri Moon Zombie, „Halloween“) und Captain Spaulding (Sid Haig, „Night of the Living Dead 3D“) von Polizisten in bewährter „Bonnie und Clyde“-Manier mit Kugeln durchsiebt.

Dies grundlegend würdige Ende der Massenmörder hat nun keinen Bestand mehr. Denn auch der konstant auf hommagierenden B-Pfaden wandelnde Rob Zombie bringt seine ikonische Psychopathen-Gang ohne Rücksicht auf logischen Zusammenhalt auf die Leinwand zurück. Der Auftakt erfolgt im Stile einer Nachrichten-Collage. In ihr werden das wundersame Überleben des Trios, der Gerichtsprozess und die lebenslange Einkerkerung skizziert. Der mittlerweile 80-jährige Haig wird – aus gesundheitlichen Gründen – nach wenigen Zelluloidmetern aus der Handlung getilgt. Für adäquaten Ersatz sorgt Richard Brake, den Zombie bereits in „31“ (2016) als markanten Scheißkerl inszenierte.  

Er mimt Otis‘ und Babys Halbbruder Winslow Foxworth Coltrane, genannt „The Midnight Wolfman“. Nach zehn Jahren befreit er Otis gewaltsam aus dem Gewahrsam, was neben einigen Wärtern auch Mithäftling Danny Trejo („Machete“) das Leben kostet. Dass dessen Filmsohn Aquarius (Emilio Rivera, „Sons of Anarchy“) auf Rache sinnt, beschert der Geschichte gen Ende ein actiongeladenes Auskommen in klassischem Western-Duktus. Zuvor jedoch muss Baby auf freien Fuß gesetzt werden. Natürlich ebenfalls drastisch. Denn bei einer Bewährungsanhörung offenbart sie, dass bei ihr auch nach einer Knast-Dekade nicht an Resozialisierung zu denken ist.

Als Schlüssel zu ihrer Befreiung erweist sich Gefängnisdirektor Virgil Dallas Harper (Jeff Daniel Phillips, „The Lords of Salem“). Dessen Schicksal offenbart, dass die Auszeit in staatlicher Obhut der Mordlust der Fireflys keinen Abbruch beschert hat. Das wiederum blutig sadistische Treiben der anarchischen Anti-Helden (Otis umgibt mehr denn je ein stattlicher Charles-Manson-Vibe), die in der Reagan-Ära zu Ikonen des systemischen Widerstands avancieren, folgt einmal mehr den Gepflogenheiten des klassischen Terror-Kinos. Dieser Maßgabe entsprechend werden in stilisierter Optik samt ausgewaschener Farben in reger Folge Körper geschunden und Leichen angehäuft.

Auf Opferseite tummeln sich gestandene Genre-Akteure wie Dee Wallace („Cujo“), Clint Howard („Evilspeak“), Sean Whalen („Das Haus der Vergessenen“) und Pancho Moler („Candy Corn“). Auch sie stempeln „3 From Hell“ zum ruppig dreckigen Terror-Fest, können bei aller stimmungsvollen Entgrenzung jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zombie den beiden Vorgängern praktisch nichts hinzuzufügen hat. Die Flucht nach Mexiko birgt gar kleinere Durststrecken, in denen die (männlichen) Fireflys vorrangig darüber disputieren, wer denn nun gefährlicher – und berühmter – sei. Das wonnige Spiel der Darsteller und der üppige Showdown, den Zombies Gattin Sheri Moon mit Indianerkopfschmuck und Bogen bestreitet, sorgen jedoch dafür, dass dies willkommene, unter dem Strich aber zweifelsfrei überflüssige Sequel, zur souveränen Fan-Veranstaltung gerät.   

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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