Halloween (USA 2007)

halloweenrobzombieDie Serie der Horror-Remakes reißt nicht ab. Jetzt hat es wieder einen der großen Klassiker erwischt: John Carpenters „Halloween“. Zuversicht ließ die Nachricht aufkeimen, Rob Zombie würde Platz auf dem Regiestuhl nehmen, das Drehbuch schreiben und neben der Neuverfilmung gleich noch die Vorgeschichte erzählen. Doch Zombie, der sich den alten Höhen des Genres mit „House of 1000 Corpses“ und „The Devil’s Rejects“ als würdig erwies, übernimmt sich mit diesem Projekt. Dabei muss man des stilbildenden Originals nicht einmal kundig sein, um diesen überflüssigen Neuaufguss schlecht zu finden.

Die Stärke des Carpenter-Originals ist die Suggestion. Geschickt spielt sie mit menschlichen Urängsten, verzichtet fast vollständig auf blutige Effekte und lässt den manischen Killer erst in der Vorstellung des Betrachters – und im brillanten Finale letztlich auch in der Geschichte selbst – zum übernatürlichen Dämon, zur Inkarnation des Schwarzen Mannes werden. Zombies Weg ist ein anderer. Ein auf Entmystifizierung setzender, einer ohne jede Subtilität. Wo Carpenter sich in Andeutungen erging, ergötzt sich Zombie an der Gewalt. Das wäre halb so wild, wenn dies vordergründige Blutbad nicht auf Kosten der einst so trefflichen Atmosphäre ginge.

Die erste Hälfte erzählt die Vorgeschichte, die zweite spiegelt das Original wider. Der zehnjährige Michael Myers ist nicht mehr der Spross einer normalen Mittelklassefamilie, die Motivlage seiner Taten muss nun überdeutlich aus dem dysfunktionalen White Trash-Elternhaus resultieren. Die strippende Mutter (Zombies Ehefrau Sheri Moon, „The Toolbox Murders“) ist sichtlich überfordert, der Stiefvater (William Forsythe, „Larva“) ein fluchender Säufer. Michael reagiert auf sein Umfeld zunehmend aggressiver. Als der Kinderpsychologe Samuel Loomis (verschenkt: Malcolm McDowell, „Clockwork Orange“) seine Hilfe anbietet, ist es bereits zu spät. In der Halloweennacht richtet der Junge zu Hause ein Massaker an.

Neben der Mutter, die sich der wachsenden Pein durch Suizid entzieht, verschont er eine der beiden Schwestern, schließlich ist sie noch ein Baby. Nachdem Michael, der sein Gesicht hinter selbst gebastelten Masken verbirgt, in Loomis’ Obhut übergeben wurde, verstreichen 15 Jahre. Aus dem pummeligen Jungen wird ein Hüne, den es kurz vor Halloween nach Freiheit dürstet. Auf seiner Flucht tötet er wie selbstverständlich, was neben Loomis aber niemanden sonst zu scheren scheint. Also macht er sich allein auf nach Haddonfield, des Killers Heimatstadt, lebt dort doch noch die adoptierte Laurie Strode (blass: Scout Taylor-Compton, „7 Songs“), die letzte Verwandte des wahnsinnigen Killers.

Erfreulich ist bis dahin wenig. Am ehesten die illustre Schar an Gastakteuren, solche wie Danny Trejo („From Dusk Till Dawn“), Dee Wallace („Critters“) oder B-Film-Erzschurke Richard Lynch („Scanner Cop“). Auch Brad Dourif („Chucky – Die Mörderpuppe“) als Sheriff und Danielle Harris, die in den „Halloween“-Teilen vier und fünf bereits um ihr Leben bangen durfte, als dessen Tochter geben sich ein Stelldichein. Aber was nutzt es, wenn das zu oberflächliche Psychogramm des Mörders den Mythos entzaubert, während das gehetzte Abklappern der Stationen von Myers Amoklauf nur einen Slasher nach allzu bekanntem Muster abbildet? Zombies „Halloween“ scheitert letztlich am eigenen Anspruch. Indem er das Böse hinter der kalkweißen Maske offenbart, nimmt er ihm auch seinen Schrecken.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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