The Terminal (USA 2004)

terminalhanksZusammen bringen es Regisseur Steven Spielberg, dessen Stammkameramann Janusz Kaminski und Akteur Tom Hanks auf sechs Oscars – je zwei gerecht auf jeden Part des Erfolgstrios verteilt. Mit seinen streitbaren Ambitionen, finstere Kapitel der Geschichte – den zweiten Weltkrieg oder die Sklaverei – im Film zu thematisieren, hat Steven Spielberg den Ruf des ewigen Märchenonkels ein Stück von sich weisen können. Doch dominieren „Amistad“, „Schindlers Liste“ und „Der Soldat James Ryan“ zum Trotze eher leicht verdauliche Kinospektakel wie „Jurassic Park“, „Minority Report“ oder zuletzt „The Terminal“.

Basierend auf der wahren Geschichte des Iraners Merhan Karimi Nasseri, der 1977 aus seiner Heimat nach Europa floh und seit 1988 den Pariser Flughafen Charles de Gaulle bewohnt, weil er keine gültigen Papiere vorweisen konnte, erzählt „The Terminal“ die Story eines kauzigen Weltbürgers. Dieser trägt den Namen Viktor Navorski (Tom Hanks, „Forrest Gump“) und entstammt dem fiktiven osteuropäischen Staate Krakosia. Durch einen politischen Umbruch in der Führungsriege seines Heimatlandes und die behäbigen Mühlen der amerikanischen Bürokratie strandet Viktor Navorski am New Yorker Flughafen John F. Kennedy und zieht damit schnell den Unmut des verantwortlichen Dienststellenleiters Frank Dixon (Stanley Tucci, „Big Night“) auf sich. Dieser muss tatenlos zusehen, wie sich der „inakzeptable“ Tourist in einem seiner Terminals häuslich einrichtet. Trotz Sprach- und Kommunikationsproblemen findet Viktor am Flughafen schnell Freunde, einen Job und verliebt sich gar in die Flugbegleiterin Amelia Warren (Catherine Zeta-Jones, „America’s Sweethearts“).

Das erzählen von hintergründig inhaltsleeren Geschichten ist die Passion des Steven Spielberg. Diesem Anspruch wird auch „The Terminal“ gerecht, wenngleich darüber hinaus keinem weiteren. Denn im Gegensatz zum auch auf dramaturgischer Ebene überzeugenden „Catch Me If You Can“ lässt die anspruchslose Außenseiterposse charakterliche Tiefe und Realitätsnähe vermissen. Nicht das dies als akuter Störfaktor zu bezeichnen wäre, denn als gängiges Gutmenschenkino versprüht auch „The Terminal“ durchaus Reiz und Charme. Das Problem liegt vielmehr in der Simplizität des Plots. Anstatt sich mit den Problemen seiner Hauptfigur auseinander zu setzen, öffnet Spielberg die Pforten für bisweilen slapstickhafte Situationskomik und bonbonbunte Rührseligkeiten.

Der Film unterhält auf ganzer Linie. Allerdings regt sich dabei der Unmut, lediglich einem weiteren Hochglanzprodukt der Traumfabrik Hollywood auf den Leib gegangen zu sein. Die Produktplatzierungen wirken aufdringlich, der Ablauf trotz des ungewöhnlichen Plots so kalkuliert wie konventionell. Da es Steven Spielberg aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagt wurde, an Originalschauplätzen zu drehen, baute das Produktionsteam den Terminal des New Yorker Flughafens kurzerhand nach. Finanziert wurde das Projekt durch die Vermietung der Ladenflächen an finanzkräftige Unternehmen wie Burger King oder Starbucks, die nun bei zahllosen Kameraschwenks des grandiosen Werbeschachzugs dankbar durchs Bild flanieren.

Spielberg ist ein Meister seines Fachs, dies verdeutlicht auch die seichte Geschichte des staatenlosen Tom Hanks. Jener wirkt – ebenso wie Catherine Zeta-Jones – akut fehlbesetzt, zu sehr schimmern die Mechanismen kommerziellen Kalküls hinter der Besetzungsliste hervor. Dies belegt auch die Verpflichtung des chronisch unterforderten Stanley Tucci, der hier einmal mehr auf konventionelle Ertüchtigung am Rande des Geschehens geeicht scheint. So ist „The Terminal“ aufwändig produzierte und routiniert inszenierte Unterhaltung mit Klischees anstelle von Tiefgang. Ein wenig Humor hier, eine Prise Tragik da – möglichst dick aufgetragen und mit holprigem Happy-End garniert. Zwei Regie-Oscars mögen Steven Spielberg genügen, um es sich zwischen konformer Kinokost bequem zu machen. Ein wenig Agitation neben der Spur wäre allerdings auch hier wünschenswert gewesen.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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