You Kill Me (USA 2007)

youkillmeMit Frank geht es bergab. Er hängt schon zum Frühstück an der Flasche und stürzt den Hochprozentigen wie Wasser hinunter. Warum er so wurde wie er ist, kann der Sohn eines polnischen Einwanderers vermutlich selbst nicht erklären. An seinem Job jedenfalls liegt es nicht, den erfüllt er gewissentlich. Wenn ihm nicht der Suff in die Quere kommt. Für die bucklige Verwandtschaft, die im winterlichen Buffalo ein Schneepflugunternehmen betreibt und nebenbei dem organisierten Verbrechen frönt, schaltet er die Konkurrenz aus. Frank ist ein Profikiller, was ihm keine Schwierigkeiten bereitet. Schließlich ist es das einzige, was er wirklich kann.

Ben Kingsley („Sexy Beast“) spielt den deliriösen Scharfrichter mit einer Gemütsruhe, die das aufgewühlte Innere und die Einsamkeit lediglich über kleine Gesten und Mienenspiele kenntlich macht. Als er einen Mordauftrag verschläft, schickt ihn sein Boss (Philip Baker Hall, „Magnolia“) zum Entzug nach San Francisco. Mit eigenem Aufpasser – Bill Pullman („Dear Wendy“) als schmieriger Brillenträger –, Treffen bei den anonymen Alkoholikern und einem Job in einem Bestattungsunternehmen. Dort lernt er Laurel (Téa Leoni, „Spanglish“) kennen, deren Stiefvater er für seine Beerdigung hergerichtet hat.

„You Kill Me“ ist ein Film der Kontraste. Das schneeverwehte Buffalo steht dem sonnendurchfluteten San Francisco gegenüber, Hitman Frank den nach Selbsthilfe dürstenden Normalos, seine unmenschliche Profession der Ehrlichkeit, mit der er den schockierten Zuhörern sein Problem offenbart. Denn in seinen Beruf zurück kann er nur, wenn er endlich nüchtern bleibt. Der humorigen Seite dieser Widersprüche nähert sich „Red Rock West“-Regisseur John Dahl nicht durch Übertreibungen im Sinne grotesk angepinselter Gangster-Komödien, sondern filtert sie allein aus dem bitteren Ernst und der radikalen Selbsteinschätzung, mit der Frank seinem Ist-Zustand begegnet.

Der feine Independent-Film, der mit Dennis Farina („Schnappt Shorty“) als irischem Mobster und Luke Wilson („Idiocracy“) als schwulem Ex-Trinker weitere starke Akteure aufbietet, zieht seinen Reiz aus der Glaubhaftigkeit der inneren Konflikte. Dahls Narrative nimmt die dramatischen Aspekte ernst, was ihm Oscar-Preisträger Kingsley mit einer Glanzleistung dankt. Neben ihm überzeugt endlich auch Téa Leoni, überdies Produzentin des Films. Ihrer Figur erscheinen Franks Methoden als toughe Geschäftsfrau nicht fremd. Sie gibt der Liebe eine Chance und ihm eine Perspektive. Das ist nicht schräger, als es unbedingt sein muss und bleibt gerade ob dieser Nachvollziehbarkeit stets liebenswert.

Wertung: (7 / 10)

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