Max Payne (USA/CDN 2008)

max-payne-2008Aus Action mach Thriller. Sogar nach Bauart des Film Noir, nur echt mit Femmé Fatale und einem Bullen am Scheideweg zwischen Gesetz und Selbstjustiz. Als Videospiel war „Max Payne“ ein Kassenschlager. Die bleihaltige und immens blutige Vendetta eines Polizisten gegen die Hintermänner der Ermordung seiner Familie genießt Kultstatus. Gerade wegen des an John Woo angelehnten Bullet Time-Modes, bei dem die Gegner in Superzeitlupe mit diversen Feuerwaffen perforiert werden können.

Die Nachricht einer Kinoversion des Stoffes sorgte in Spielerkreisen für feuchte Augen. Vielleicht gerade, weil die Rechte nicht an Schlock-Meister Dr. Uwe Boll gingen, um dessen ridikülem Vernichtungsfeldzug gegen populäre PC- und Konsolentitel ein weiteres Opfer zu bescheren. Regisseur John Moore, der sich durch die Klassiker-Neuverfilmungen „Der Flug des Phoenix“ und „Das Omen“ einen Namen gemacht hat, gelingt es visuell kongenial, die Atmosphäre der gepixelten Vorlage auf die Leinwand zu bringen. Wirklich gerecht wird der Film dem Spiel aber nicht. Bedauerlicherweise.

An Hauptdarsteller Mark Wahlberg („The Departed“) liegt es nicht. Er verkörpert den gebrochenen Racheengel Max Payne überzeugend, mit hängenden Schultern und quälenden Erinnerungen. Auch der Nebencast, prominent bestückt mit Beau Bridges („The Good German“), Chris O’Donnell („Kinsey“) oder Bond-Girl Olga Kurylenko, gefällt. Nur sollte es dem geneigten Genrefreund schon zu denken geben, wenn bei der Adaption eines reinrassigen – wenn auch von einer ungewohnt komplexen Handlung umgebenen – Ballerspiels im Abspann mehr Kugeln fliegen als im vorangehenden Geschehen.

Moore verschenkt die Möglichkeiten des Plots beidhändig und beschränkt sich über gut zwei Drittel allein auf die betörende Kraft düsterer Bilder. Mit Killerin Mona Sax, in deren Rolle „Family Guy“-Sprecherin Mila Kunis zum alibihaften Beiwerk verkommt, deckt Payne die Machenschaften des Pharmakonzerns Aesyr auf, für den auch seine getötete Gattin arbeitete. Bis er schließlich mit gezogener Waffe zur Tat schreiten darf, wird der Plot unnötig bedeutungsschwanger aufgeblasen. Stimmungsvoll ist das allemal geraten, nur bremst der eklatante Mangel an Tempo auch den Unterhaltungswert aus.

Das Komplott, dessen Entschlüsselung zusehends klischeehaftere Kreise zieht, entlädt sich in einem knappen, ansprechend gefilmten Showdown, der wie der gesamte Film einfach buchstäblich zu blutleer ausfällt. Die Qualität der Inszenierung steht außer Frage, was das Scheitern von „Max Payne“ immerhin auf hohem Niveau belässt. Geholfen jedoch ist damit niemandem, dafür fehlt es dem unbefriedigenden Neo-Noir-Todesballett einfach an Ausgewogenheit. Die zahlreichen das Original streifenden Anspielungen erzielen da auch keinen beschwichtigenden Effekt mehr.

Wertung: (5 / 10)

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