Independence Day (USA 1996)

independence-day„They’re like locusts. They’re moving from planet to planet… their whole civilization. After they’ve consumed every natural resource they move on – and we’re next. Nuke ’em. Let’s nuke the bastards!“ – Kämpferisch: Präsident Whitmore

Zwei Dinge haben „Schwaben-Spielberg“ Roland Emmerich in den Neunzigern in Hollywoods Top-Liga katapultiert. Da wäre zunächst sein professionelles Arbeits-Ethos, das ihn Blockbuster wiederholt unter der budgetären Vorgabe der Produzenten vollenden ließ. Der zweite Faktor ist etwas weniger rühmlich, appellierte Emmerich doch wiederholt mit übertriebenem, lediglich von Michael Bay („Transformers“) übertroffenem Pathos an die Vaterlandsliebe der Amerikaner. Neben „Der Patriot“ gilt das besonders für „Independence Day“. Der große Kassenschlager des Kinosommers 1996, von Emmerich in Zusammenarbeit mit Dean Devlin („Universal Soldier“) auch verfasst, macht aus seiner patriotischen Ader bereits im Titel keinen Hehl und zelebriert die von US-amerikanischer Seite initiierte Offensive gegen außerirdische Invasoren ausgerechnet am Nationalfeiertag.

Dem geht (zwangsläufig) ein flammender Appell des Präsidenten voraus, der sich als ehemaliger Kampfpilot denn auch gleich selbst ins Schlachtengetümmel stürzt. Aber der Reihe nach. Zunächst herrscht große Aufregung vor, als Signale aus dem All die Erde erreichen. Nur sollte bereits der eingespielte REM-Hit „It’s the End of the World As We Know It“ zu denken geben. Tatsächlich taucht bald ein riesenhaftes Raumschiff in der Nähe des Mondes auf, aus dem sich zahlreiche „kleinere“ Einheiten lösen und über Großstädten rund um den Globus die Sonne verdunkeln. Was folgt ist großes Rätselraten. Kommen die Aliens in friedlicher oder feindlicher Absicht? Präsident Thomas Whitmore (Bill Pullman, „Während du schliefst“), der trotz Kriegseinsätzen als zu weich gilt, wartet ab. Jeff Goldblum, der den kauzigen Nerd aus „Jurassic Park“ als Satellitentechniker David Levinson einfach wiederholt, weiß es jedoch besser.

Er hat im Funksignal der außerirdischen Besucher einen Countdown ausgemacht, der für ihn nur auf eines hindeuten kann: den Moment des Angriffs. Während die Bevölkerung zwischen Euphorie und Panik auf ein Zeichen wartet, begibt sich David samt Vater Julius (Judd Hirsch, „A Beautiful Mind”) nach Washington, um Whitmore und seine in dessen Stab tätige Ex-Frau Constance (Margaret Colin, „Vertrauter Feind“) zu warnen. Glauben schenkt man ihm jedoch erst, als die erste Attacke der Aliens für effektreiche Zerstörung sorgt – und dabei auch das Weiße Haus von der Landkarte putzt. Emmerich lässt sich für den Vorlauf Zeit, kreiert dabei aber eine durchaus stimmige Atmosphäre. Der laufen allerdings die klischeehaften Figuren zuwider, an deren Spitze sich der versoffene, von niemandem ernstgenommene Kleinstadt-Sprühpilot Russell (Randy Quaid, „Schöne Bescherung“) setzt. Ob ein finaler Heldentod da Abhilfe schafft?

Neben David rückt Kampfflieger Steve Hiller (Will Smith, „Wild Wild West“) ins Zentrum der Geschichte. Ihm gelingt es, ein feindliches Raumschiff abzuschießen und den monströsen Piloten auszuschalten. Um den hoffnungslos überlegenen Aggressoren, deren Schiffe dank undurchdringlicher Schutzschilde jedem Angriff standhalten, trotzen und die Vernichtung der Erde abwenden zu können, fliegen David und Steve ins Mutterschiff, wo sie ein Computervirus einschleusen und die Abwehr der Außerirdischen außer Kraft setzen wollen. Für ausreichend Krawall ist also gesorgt und die seinerzeit spektakulären und mit einem Oscar prämierten Tricks verfehlen ihre Wirkung auch heute nicht. Zudem ist der Film mit Robert Loggia („Bloody Marie“), Brent Spiner („Star Trek – Das nächste Jahrhundert“), James Duval („Nowhere“), Vivica A. Fox („Set It Off“) oder Mary McDonnell („Der mit dem Wolf tanzt“) bis in die Nebenrollen prominent besetzt.

Das zunehmend dick aufgetragene Pathos samt geschwenkter US-Flaggen wäre allerdings nicht nötig gewesen. Nur bedingt zueinander finden auch die bemüht wirkenden ironischen Anflüge und die nach Bauart des Katastrophenfilms gefühlsduselige Verknüpfung von Schicksalen. Doch auch wenn Tim Burtons B-Film-Parodie „Mars Attacks!“ in der Summe einfach mehr Vergnügen bereitet, erfüllt „Independence Day“ zweifelsfrei seinen Zweck als archetypisches Hollywood-Unterhaltungsvehikel. Neben der 138-minütigen Kinofassung wurde eine um acht Minuten erweiterte Extended-Version nachgereicht. Die bietet weitgehend verzichtbare Szenen, die der Auskleidung der Figuren dienlich erscheinen – sowie vereinzelt gelungene Ergänzungen zur aufkeimenden Weltuntergangsstimmung. Ein bisschen passt aber auch das zum Gesamtbild dieses modernen Science-Fiction-Klassikers, bei dem weniger insgesamt einfach mehr gewesen.

Wertung: (6 / 10)

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