Virus Undead (D 2007)

virusundeadEin Zombiefilm aus deutschen Landen sorgt international für Aufsehen. Das gab es seit Andreas Schnaas nicht mehr! Allerdings steckt in Wolf Wolffs „Virus Undead“ auch ein guter Teil ausländischer Gelder, waren hiesige Filmförderungsanstalten doch nicht willens einen Horrorfilm (wie verrucht!) zu finanzieren. Dass unsere französischen Nachbarn den teutonischen Film in fast allen Belangen abhängen, mag da niemanden mehr verwundern. Den Kopf schütteln darf man allerdings auch über Wolff selbst, der die deutsche Provinz in seinem ambitionierten Schocker mit unsäglichen US-Klischees überschwemmt.

Dabei beginnt der Film nicht nur mit einem sehenswerten (für die Handlung aber absolut unnötigen) Autocrash, sondern auch durchaus stimmig. In seinem brandenburgischen Landhaus wird der berühmte Professor Bergen (Joost Siedhoff) in wonniger Hitchcock-Hommage von einem Schwarm angriffslustiger Krähen niedergemacht. Um den Nachlass des Wissenschaftlers, der ein Serum gegen das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippevirus entwickelte, kümmert sich Enkel Robert (Philipp Danne). Gemeinsam mit seinen Freunden Patrick (Marvin Gronen) und Eugen (Nikolas Jürgens) bricht er zu einem Kurztrip in die ländliche Region auf. Das Grauen aber lässt nicht lange auf sich warten.

Nun ja, ganz richtig ist das nicht. Tatsächlich lässt das Grauen in Anbetracht des wenig gelungenen Skripts viel zu lange auf sich warten. Bereits Roberts Begleiter decken in machohafter Selbstüberschätzung (Patrick) und introvertierter Nerdigkeit (Eugen) den vollen Spielraum typischer Reißbrettfiguren ab. Übertroffen werden sie aber sowohl vom dauerhaft Donuts (!) futternden Dorfpolizisten (Axel Strothmann) als auch dem örtlichen Fressbudeneigner Bollmann (Musiker Ski-King), den als prolliger Rocker-Hüne natürlich eine alte Fehde mit Robert verbindet. In Gestalt der reizenden Marlene (Birthe Wolter) überkommt ihn auch eine verflossene Liebe. Zombies wo bleibt ihr?

Seiner Ambition gerecht wird der Film lediglich bei formalen Aspekten. Besonders Heiko Rahnenführers Kamerabeherrschung macht den fahrlässig vertanen dramaturgischen Unterbau ein ums andere mal vergessen. Weil Bollmann seine Hot-Dogs aus von der Straße gekratzten Tierkadavern herstellt und auch ein paar infizierte Vögel in der Wurstpresse landen, wimmelt die Region bald von fleischfressenden Zombies. Robert und seine Freunde erwehren sich der Epidemie bis zum übertriebenen Schlussspurt auf dem Turm des Anwesens nach Leibeskräften. Mit der tödlichen Bedrohung stellt sich schließlich auch der lang vermisste Reiz am heimischen Untoten-Splatter ein. Nur wäre der besser mit einem Drehbuch ohne lausige US-Klischees unterfüttert worden.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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