V/A – Peepshow (1997, Fat Wreck)

peepshow-fat-wreck-video-compilationVideoclips sind fester Bestandteil der Musikindustrie. Das gilt für Major-Label, die mitunter Millionenbeträge in eine einzige visuelle Songuntermalung investieren, und ebenso für Vertreter aus dem Indie-Bereich. Nur dürfen deren Bestrebungen nicht selten als Gegenentwurf zum massenmedial flankierten Geschäft der Branchenmultis verstanden werden. Kaum eine Veröffentlichung verdeutlicht dies mehr als die erste Fat Wreck-Kompilation „Peepshow“, die anno 1997 insgesamt 13 Videos namhafter Label-Bands präsentierte.

Sympathisch wirkt insbesondere der DIY-Stil. Denn wenn es mal eine Spur professioneller zugeht, sind die Clips – wie im Falle von HI-STANDARD und „Maximum Overdrive“ – mit freundlicher Genehmigung anderen Urhebern entliehen. Die Besonderheit liegt jedoch darin, dass die Videos von zusätzlich gefilmtem Nonsens umgarnt werden, der die Briten von GOOBER PATROL (vertreten mit „Easy Life“) in diversen Pubs einkehren, LAGWAGON („Razor Burn“) ihre Fans zu Wort kommen oder GOOD RIDDANCE („Steps“) eine Nackt-Olympiade zelebrieren lässt.

NOFX nehmen für ihr Video zum unveröffentlichen Track „I Wanna Be an Alcoholic“ einfach Ghettoblaster und Handkamera mit in einen Fahrstuhl, während NO USE FOR A NAME („Soulmate“) Bassist Matt Riddle in Amateur-Horror-Manier zum „Action Wolf“ machen. Der Rest ist mehr oder minder amüsante Dehnung, denn die Qualität der Songs (nicht der meisten Clips) sollte für sich selbst sprechen. So sind TILT mit ihrer wahrscheinlich besten Nummer „Libel“ vertreten, die fast vergessenen SCREW 32 mit dem starken „Misunderstood“.

BRACKET werfen den Klassiker „2RAK005“ in die Waagschale, SNUFF steuern „Standing in the Shadows of Love“ bei und die SWINGIN’ UTTERS ziehen mit „Windspitting Punk“ nach. STRUNG OUT, in deren Vorfilm Warren von den VANDALS im Barney-Kostüm in ein Glas uriniert, bieten „Bring Out Your Dead“ in einer Live-Version (mit Snowboard-Unfällen) auf und ME FIRST AND THE GIMME GIMMES-Sänger Spike gibt „Danny’s Song“ in einer Karaoke-Bar zum Besten. Bis heute gefällt „Peepshow“ durch die umfängliche Unfertigkeit. Dass es vereinzelte Beiträge (u.a. die von LAGWAGON und NO USE) bis ins Musikfernsehen schafften, rüttelt daran kein Stück.

Wertung: (7 / 10)

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