Unknown (USA 2006)

unknown-2006Fünf Männer – Jim Caviezel („Die Passion Christi “), Barry Pepper („Knockaround Guys“), Greg Kinnear („Little Miss Sunshine“), Joe Pantoliano („Matrix“) und Jeremy Sisto („Six Feet Under“) – erwachen in einer abgeriegelten Lagerhalle. Ihnen allen fehlt die Erinnerung an das zuvor Geschehene. Einer ist gefesselt, ein anderer angeschossen. Zwei waren offensichtlich in einen Kampf verwickelt. Die scheinbar Fremden müssen zusammenarbeiten, gibt es doch keinen erkennbaren Ausweg aus dem in der Ödnis gelegenen Gebäude. Doch die Zweifel nagen. Die Zeichen verdichten sich, dass sie alle in ein Verbrechen involviert sind. Aber wer ist Opfer – und wer ist Täter?

Simon Brands Regiedebüt „Unknown“ ist ein reizvoller Independent-Thriller, der durch die aufgeregte Darstellung seiner Akteure lebt. Gegenseitiges Misstrauen schafft Fronten, bei denen undurchsichtig erscheint, auf welcher Seite die einzelnen Figuren stehen. Alle gemeinsam und doch jeder für sich versuchen sie den Nebel der Amnesie – dessen Ursache schnell und simpel abgehandelt wird – zu durchdringen und das Puzzle der Ereignisse zusammen zu setzen. Das verfügt über eine gewisse Grundspannung, die sich aber nicht vollends entfalten kann. Es fehlt der Geschichte schlicht an Pfiff, um die Ausgangssituation vor ihrer kalkulierbaren Zuspitzung zu bewahren.

Der sehenswerte Cast wird durch Brigdet Moynahan („I, Robot“) und Peter Stormare („Fargo“) ergänzt. In einem Nebenarm der Narration soll sie, von Polizeikräften umgarnt, Lösegeld überbringen, während er als Drahtzieher dafür Sorge trägt, dass der Staatsschutz an der Nase herumgeführt wird. Allmählich laufen die Erzählstränge zusammen, verfügen beide Situationen doch über den gleichen Hintergrund. Ein Anruf im Lagerhaus kündigt das Kommen des Komplizen an, was die Eingeschlossenen unter Zugzwang setzt und das Rudiment gegenseitigen Vertrauens auf eine harte Probe stellt.

Wo Kameraführung und Schnitt in ihrer Ambition versagen, über stilisierte Bilder die Gefühlsregungen der Protagonisten zu reflektieren, gelingt den Schauspielern die Aufrechterhaltung psychischer Spannungen. Das hält „Unknown“ in der Spur, wenn sich die Konstruktion des nur auf Wesentlichkeiten bedachten Plots auf der Zielgerade auch zu überschlagen scheint. An den Nerven zerrt der Film nicht, dafür drosselt die Parallelhandlung mit Stormare und verdeckten Ermittlern im Nacken zu sehr das Tempo. Ein insgesamt sehenswerter, doch wenig meisterlicher und konventioneller Thriller, dessen finale Enthüllung die wohl einzig echte Überraschung bleibt.

Wertung: (6 / 10)

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