Bound – Gefesselt (USA 1996)

bound-gefesseltVor der „Matrix“ kamen die Lesben: Ehe das Geschwisterpaar Andy und Larry (heute Lana) Wachowski mit der visionären Dystopie von der maschinell vorgegaukelten Realität Filmgeschichte schrieb, legten sie einen raffiniert inszenierten Independent-Thriller vor, der in Amerika vor allem aufgrund der freizügigen Performance der beiden Hauptdarstellerinnen ins Gerede (und einen gewissen Verruf) kam. Angst vor moralischem Verfall muss man angesichts des homoerotischen Aufeinanderprallens von Gina Gershon („Showgirls“) und Jennifer Tilly („Chucky und seine Braut“) allerdings nicht haben.

Aber ein paar Küsse, die Hand zwischen den Beinen und kleiderloses Räkeln zwischen den Federn genügen in den prüden USA bereits für einen kleinen (werbewirksamen) Eklat. Der von den Wachowskis auch erdachte Plot ist angenehm simpel und zudem auf spannungsfördernd knappem Raum auserzählt. Die frisch aus dem Knast entlassene Corky (Gershon) wird zur Renovierung einer Wohnung engagiert. Die liegt direkt neben dem Domizil des ambitionierten Mafiosi Caesar (später auch in der „Matrix“ vertreten: Joe Pantoliano) und seiner Geliebten Violet (Tilly), mit der sich Corky nach einigem Vorgeplänkel über alle Unterschiede hinweg auf eine leidenschaftliche Affäre einlässt.

Als der aufbrausende Caesar, der sich im Dauerclinch mit Johnnie (Christopher Meloni, „Law & Order“), dem Sohn von Gangsterboss Gino Marzzone (Richard C. Sarafian, „Bugsy“) befindet, eine Tüte mit unterschlagenem Geld hüten und dem Paten beim nächsten Besuch aushändigen soll, hecken die Frauen einen perfiden Plan aus. Dessen Ziel ist es, sich unbemerkt des Vermögens zu bemächtigen, den Verdacht auf Johnnie zu lenken und Caesar damit zur Flucht zu nötigen. Nur denkt der gar nicht daran zu türmen und bringt eine Spirale der Gewalt in Gang, die die Wachowskis mit visuellem Einfallsreichtum, extravaganten Kamerafahrten und so genüsslich wie schwarzhumorig ausgekosteten Spannungsmomenten zieren.

Dass die Frauen trotz minutiöser Vorbereitung auf erhebliche Probleme treffen, verdeutlicht bereits der einleitende Vorgriff auf die gefesselte Corky. Die Frage, ob die Liebenden einander wirklich trauen können, wird dabei zwar nur peripher aufgeworfen, an den Nerven zerrt der mit Anleihen bei Film Noir und Alfred Hitchcock versehene Thriller aber bereits aufgrund der zunehmend entfesselten Leistung Joe Pantolianos. Aber auch die übrige Besetzung – u.a. Genre-Allrounder John P. Ryan („Atemlos“) in seiner letzten Rolle – überzeugt, so dass dies stilvolle wie hundsgemeine Debüt der späteren Blockbuster-Schöpfer mit starkem Frauen-Duo, erhabener Inszenierung und wohl platzierten Gewaltspitzen nachhaltig für sich einnimmt.

Wertung: (7,5 / 10)

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