Little Miss Sunshine (USA 2006)

little-miss-sunshine„Little Miss Sunshine“ ist ein Film über die Freude des Leidens. Schmerz lässt die Lebendigkeit des Daseins spüren, sei er nun physischer oder psychischer Natur. Das Regiedebüt des Ehepaars Valerie Faris und Jonathan Dayton, die zuvor Musikvideos für die Red Hot Chili Peppers und Smashing Pumpkins drehten, ist ein Familien-Road-Movie im Independent-Stil. Pein scheint allgegenwärtig. Doch liegt in ihr keine niederschmetternde Tragik, sondern die Chance auf Veränderung.

Wo die meisten amerikanischen Filme die Werte familiären Zusammenhalts propagieren, proben Faris und Dayton den Aufstand. Ihr Film predigt das Aufgebehren, die Anarchie im Rahmen individueller Weiterentwicklung. Anschauungsobjekt ist die in Mexiko ansässige Familie Hoover. Vater Richard (Greg Kinnear, „Besser geht’s nicht“) ist Motivationstrainer. Ungeachtet anhaltenden Misserfolgs hat er sich in den eigenen Gewinnerparolen häuslich eingerichtet und gegen Kritik weitgehend abgeschottet.

Seine Frau Sheryl (Toni Collette, „About a Boy“), Inbegriff des nahenden Nervenzusammenbruchs, ist um den Zusammenhalt der Sippe bemüht. In Anbetracht der übergreifenden Marotten und dem Selbstmordversuch ihres homosexuellen Bruders Frank (Steve Carell, „Melinda und Melinda“) kein leichtes Unterfangen. Sohn Dwayne (Paul Dano, „Fast Food Nation“), erklärter Nietzsche-Fan, ergeht sich in Abneigung und schweigt seit neun Monaten standhaft. Der ruhende Pol ist ausgerechnet das pummelige Nesthäkchen Olive (Abigail Breslin, „Signs“), die mit dem koksschnupfenden Großvater Edwin (Alan Arkin, „Catch 22“) für ihre große Leidenschaft trainiert: Schönheitswettbewerbe.

Die skurrilen Wesenszüge der Figuren sind Grundlage für situationskomische Verstrickungen. Das humoristische Element meistert die Geschichte mit Bravour. Trotz Übertreibungen wirkt das Geschehen niemals albern. Das Regie-Duo nimmt die Charaktere und ihre Komplexe ernst und bewahrt ihre Realitätshaftung. Das macht die Besonderheit der liebenswert schrulligen Ereigniskette aus. Als Olive in die Endausscheidung der „Little Miss Sunshine“-Wahl gerät, besteigt die zerstrittene Familie den klapprigen VW-Familienbus und begibt sich auf eine abenteuerliche Odyssee nach Kalifornien. Am Ende entsteigt sie ihren Trümmern durch fortlaufende Rückschläge.

Vollkommen zu recht avancierte das Kleinkunstjuwel zum Überraschungserfolg an den amerikanischen Kinokassen. Die wunderbar ausbalancierte Mischung aus Komik und Dramatik enthält in ihrem Fokus auf eine dysfunktionale Familie den entlarvenden Blick eines satirischen Gesellschaftsportraits. Gerade in Bezug auf die schlussendliche Aufmischung des Schönheitswettbewerbs. Die geistreiche Melange weitreichender Neurosen beinhaltet zudem eine erstaunlich schlüssige Botschaft: Der Weg ist das Ziel. Wenn es einen Film nicht zu verpassen gilt, dann ist es diese umwerfend geschriebene und perfekt umgesetzte Farce.

Wertung: (9 / 10)

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