The Heart is Deceitful Above All Things (F/GB/J/USA 2004)

the-heart-is-deceitful-above-all-thingsFrüh bewies Asia Argento, dass sie mehr ist als nur die Tochter von Giallo-Papst Dario Argento („Suspiria“). Mit Filmen wie „Die Bartholomäusnacht“ (1994), „B*Monkey“ (1998) oder „Land of the Dead“ (2005) stellte sie Talent als Schauspielerin unter Beweis, desgleichen offenbarte sie als Regisseurin diverser Kurzfilme. Nach „Scarlet Diva“ (2000) ist „The Heart is Deceitful Above All Things“ der zweite Spielfilm unter ihrer Direktion, das von ihr mitverfasste Skript inspiriert von Kurzgeschichten des amerikanischen Jungautoren J.T. LeRoy. Dessen abgründige Welt gewinnt durch die Regie der 30-jährigen Italienerin ein schmutziges Gesicht, das unmittelbar in den Schlund menschlicher Abgründe starrt.

Die Handlung folgt episodisch dem Schicksal von Jeremiah. Als 7-jähriger wird er der Obhut liebender Adoptiveltern entrissen, um fortan bei seiner leiblichen Mutter Sarah (Asia Argento) zu leben. Die ist weder Drogen noch fluktuierenden Sexpartnern abgeneigt. Sie hausen in Mutters Auto und speisen aus Mülltonnen. Irgendwann ist Sarah verheiratet, jedoch kehrt der Gatte (Jeremy Renner, „S.W.A.T“) allein aus den Flitterwochen zurück. Er missbraucht den zurückgelassenen Jeremiah, der darauf in die Fänge der konservativ christlichen Großeltern (Peter Fonda, „Easy Rider“ / Ornella Muti, „Gib dem Affen Zucker“) gerät. Sämtliche Stationen des Elends sind damit längst nicht passiert.

In waghalsigem Tempo bereitet Asia Argento ihrem Film-Sprössling eine Hölle auf Erden. Sie arbeitet Themenfelder wie Kindesmissbrauch, religiösen Fanatismus und Prostitution ab. Lichtblicke gibt es kaum, positive Gegenpole zur allgegenwärtigen Abgründigkeit schlicht überhaupt nicht. Jimmy Bennett („Hostage – Entführt“) spielt Jeremiah als 7-, die Zwillinge Dylan und Cole Sprouse („Big Daddy“) als 11-jährigen. Die Leistungen der Jungakteure sind gemessen an der Bürde ihrer Rolle beeindruckend. Der Pfad des Leids, der Züchtigung und der Erniedrigung scheint endlos. Ebenso die Riege namhafter Underground-Schauspieler.

Wegbegleiter dieser Odyssee durch die Niederungen der menschlichen Seele sind Winona Ryder („Girl, Interrupted“), Jeremy Sisto („Six Feet Under“), Matt Schulze („The Transporter“), Kip Pardue („Driven“), Michael Pitt („The Village“), Schock-Rocker Marilyn Manson („Party Monster“) und Rancid/The Transplants-Sänger Tim Armstrong („Live Freaky Die Freaky“). Den Soundtrack steuerte Billy Corgan (The Smashing Punmpkins/Zwan) mit Kim Gordon (Sonic Youth) und Marco Castoldi bei. Letzterer ist nicht nur Sänger und Bassist der italienischen Band Bluvertigo, sondern auch der Vater von Asia Argentos Tochter Anna Lou.

„The Heart is Deceitful Above All Things“ ist ein deprimierendes Psycho-Drama. Der Look des verstörenden Films trägt die Stimmung, die allumfassende Hoffnungslosigkeit erinnert an die Werke Larry Clarks („Ken Park“). Unterschiede sind dennoch spürbar. Asia Argento, die die drogenverseuchte Schlampe Sarah mit Inbrunst verkörpert, betrachtet ihre Figuren ähnlich nüchtern, jedoch noch zielloser und ohne die oft kritisierte Selbstzweckhaftigkeit des filmenden Fotografen Clark. Leichte Kost sieht anders aus, aber der Weg des geringsten Widerstands stünde der jungen Regisseurin auch kaum zu Gesicht.

Wertung: (7,5 / 10)

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