Tied to a Bear – True Places (2018, Gunner Records)

Wer einem Bären aufgebunden wird, muss mit Blessuren rechnen. So einfach ist das. Für „True Places“, das zweite Album der Bostoner Punk-Rocker TIED TO A BEAR, gilt das gleichermaßen. Denn die Energie der US-Ostküstler um Singer/Songwriter Jeff Rowe ist streckenweise derart ungezügelt, dass, egal ob live oder auf Konserve, jedes Karohemd Gefahr läuft, Knitterstellen davonzutragen. Dabei verhält es sich mit dieser Platte wie mit so vielen aus dem Hause Gunner Records: Beim ersten Durchlauf ist man angetan, spätestens beim dritten restlos entzückt. Danach hält die Liebe Einzug.

Nicht zwingend für die musikalische Herangehensweise – die kennt man auch von anderen Künstlern. Nein, es ist die grundsympathische Schnoddrigkeit, mit der rau-herzliche, gern mehrstimmig geschmetterte Songs aus den Boxen fegen, bei denen schlicht egal ist, ob da nun jeder Ton getroffen wird, oder nicht. TIED TO A BEAR bringen exakt das Feuer mit, das Vorreiterkapellen wie RED CITY RADIO oder auch THE FLATLINERS längst abhandengekommen ist. Auf „True Places“ wird gegrölt und gepoltert, dass es eine helle Freude ist. Mit Texten zwischen Wehmut und Trotz folgen kurze Brecher auf weitschweifige Hymnen. An großen Momenten mangelt es angesichts prächtiger Hits wie „No Encore“, „Chrysalis“, „Melville“ oder „Subject“ nicht. Entsprechend groß ist die Verweildauer der Platte. Solche Blessuren nimmt doch gern in Kauf.

Wertung: (7,5 / 10)

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